Die Meldung schlug ein wie eine Bombe: Dem französischen Forscher E. Battaillon war es gelungen, aus unbefruchteten Froscheiern nur mit Hilfe einer Nadel Frösche entstehen zu lassen. Ein kleiner Stich veranlaßte das Ei, sich zu teilen, ohne daß männliches Erbgut im Spiel war. Das Experiment ist über siebzig Jahre alt. Seither haben sich die Wissenschaftler immer neue Zellen vorgenommen, Fortpflanzung ohne Befruchtung erprobt. Mit wenig Erfolg. Was bei Fröschen funktionierte, versagte spätestens bei Säugerzellen.

Im Labor ließen sich Eizellen zwar mit mechanischen Reizen, Temperaturschocks, Strom und Säuren zur Teilung bringen. Doch lebensfähige Junge wuchsen nach der Tortur im Reagenzglas nicht heran. Mäuseklone beispielsweise, die sich aus den Eizellen der Muttertiere entwickelten, starben frühzeitig ab. Keine Technik konnte die Befruchtung weiblicher Keimzellen durch ihr männliches Pendant und damit den Sex überflüssig machen.

Dabei hatte der Naturforscher René Réaumur bereits 1737 beobachtet, wie sich weibliche Blattläuse auch ohne Männchen vermehrten. Und 150 Jahre später formulierte der Deutsche August Weismann, was Réaumurs Studien offenbart hatten: Sex sei für die Fortpflanzung nicht zwingend notwendig. Wenn aber männliche Wesen zur Vermehrung nicht prinzipiell erforderlich sind, welchen Zweck erfüllen dann Hengste, Eber, Böcke - und Männer? Für irgend etwas müssen sie doch gut sein. Als Luxuswesen der Evolution wären sie sonst vermutlich längst Opfer der natürlichen Auslese geworden.

Biologen versuchen seit über hundert Jahren herauszufinden, wieso die Natur sich den Luxus Mann und etwas so kompliziertes und kräftezehrendes wie Sex ausgedacht hat. Warum treiben es nicht alle Lebewesen wie die Wasserflöhe, die Sackmotten oder die 27 Reptilienarten, die alle ohne Sex auskommen. Bei diesen Tieren bringen Weibchen allein aus ihren Eizellen ohne Zuhilfenahme von Samen neue Weibchen hervor. Mütter und Töchter sind genetisch identische Klone.

Klonen ist tatsächlich eine äußerst effektive Art der Vermehrung.

Wenn alle Vertreter einer Art weiblich sind, ist der Fortpflanzungserfolg doppelt so groß. Denn alle - und nicht nur die eine Hälfte - kriegen Junge. Nachwuchs ist die Währung der Evolution. Wer mehr Nachkommen hervorbringt, verbreitet seine Gene am besten und setzt sich in den folgenden Generationen durch.

Asexuelle Geschöpfe sparen sich zudem die aufreibende Balz, die Paarung, die oft mühselige Partnersuche. In der gleichen Zeit, die sexversessene Lebewesen mit diesen Dingen vertrödeln, können die Klone fressen und besser darauf achten, nicht selbst gefressen zu werden. Sie brauchen keine langen, bunten Federn, die sie im Flug behindern, kein Geweih, mit dem sie im Unterholz hängenbleiben, und keinen Porsche, mit dem sie sich auf der Autobahn überschlagen.