Fünfhundert Architekturbüros aus der ganzen Welt, davon vierzig aus Deutschland, hatten einen Vorschlag zur Erweiterung des Madrider Museums El Prado eingereicht - aber niemand gewann den ersten Preis. Nur zwei wurden als Zweite prämiert: ein Madrider Büro und ein Architektenteam aus Zürich. Beide zählen in ihrem Land zu den Nachwuchstalenten. Keines der Projekte habe die Probleme der zu erweiternden Ausstellungsräume und der öffentlichen Anlagen gelöst, sagte die spanische Kulturministerin Esperanza Aguirre, als sie die Ergebnisse des internationalen Wettbewerbes präsentierte.

Jetzt habe man viele Ideen auf dem Tisch und könne die Zukunft des Prado angehen. Der Staatssekretär ihres Amtes freute sich mit ihr: Jetzt wisse er viel mehr übers Museum als noch vor 48 Stunden. Die Jurysitzung hatte 22 Stunden gedauert.

Ein teurer Kurs für die Ministerin und ihren Hofstaat, den sie selber nicht zahlt. Was glaubt sie, wieviel das Entwerfen und Präsentieren die 500 Architekten gekostet hat? Rechnen wir einmal kurz nach: 500 Projekte zum Selbstkostenpreis von günstigen 30 000 Mark, zuzüglich etwa 1000 Mark Material- und Vervielfältigungskosten, das macht 15 Millionen Mark für die Arbeit und 500 000 Mark für die Planungskosten. Nicht mitgerechnet sind die Reisekosten der Architekten, die nach Madrid geflogen sind, um sich ein Bild zu machen und sich in den Genius loci einzuarbeiten. Ganz zu schweigen von dem Aufwand der zehn Architektenbüros, die in die zweite Runde kamen.

Der Wettbewerb folgte nämlich den luxuriösen Regeln der UIA, der Union internationaler Architekten, die zwei anonym jurierte Ausscheidungen vorsehen: die erste im Sinn eines Ideenwettbewerbs und die zweite für Auserwählte, denen Zeit gegeben wird, ihren Vorschlag samt einer Kostenschätzung genau zu formulieren. In diesem Concours bekamen zehn, darunter acht Spanier, die Schweizer und ein Mexikaner, die Möglichkeit, ihre Entwürfe von März bis Juli zu überarbeiten.

Das kostete geschätzte 200 000 Mark plus Aufwand für die Pläne und Modelle. Doch für das Kulturministerium war das Ganze nicht mehr als ein Ideenbasar.

Was stand eigentlich zur Debatte? Erstens: den Prado um eine nicht quantifizierte Ausstellungsfläche zu erweitern. Zweitens: die Publikumsdienste am Eingang zu vergrößern. Drittens: einen Verwaltungstrakt vorzusehen. Viertens: zwei Außenstellen des Museums mit einem Tunnel zu verbinden. Es handelt sich dabei um das Armeemuseum, dessen Bestände verlegt werden sollen, und den Casón del Buen Retiro, beide in einer Distanz von 200 Schritten. Platz für Neubauten stand an zwei Orten zur Verfügung: auf der Rückseite des Prado sowie auf einer Parzelle hangaufwärts neben der ältesten Kirche Madrids, San Jerónimo el Real, die hinter dem Museum steht. Auf diesem Grundstück ragt eine Arkadenwand in die Luft wie eine römische Ruine, ein Relikt aus der Zeit vor 1800, als dort ein Kloster stand und diese Wand den Kreuzgang definierte.

Trotz des skandalösen Nullentscheids bieten die zwei zweitprämierten Projekte ideales Anschauungsmaterial zur Frage: Darf an ehrwürdige alte Bauten wie den Prado nolens volens angefügt werden? Die Zürcher Architekten Jean-Pierre Dürig und Philippe Rämi bejahen hemmungslos.