Sie waren quälend, ihre herumstöckelnden Plagiate, diese Mädchen mit Schmollmund, Sechserlöckchen und Petticoat. Diese ausgekochten Geschöpfe, nach denen die Jungs in der Milchbar ihre Köpfe verdrehten. Während wir, die Lässigen, in schwarzen Hosen und Rollkragenpulli, die Mundwinkel spöttisch verzogen und ganz Existentialismus und Rock 'n' Roll, "cool" waren, war sie heiß. B.B. war das erste girlie: diese so eingängige Mischung aus naiver Ungebändigtheit und berechnender Gefälligkeit.

Ich habe es ihr nie übelgenommen. Durch diesen ganzen B.B.-Rummel der Fünfziger und Sechziger hindurch spürte ich auch etwas Anrührendes: eine Frau, die auf der Suche war - nach sich selbst und Menschen, die sie ernst nehmen.

Sie hat ihre Männer immer ernst genommen. Auch wenn sie sich als eine der ersten in dieser prüden Zeit die Freiheit öffentlich wechselnder Liebhaber nahm (die sehr bald jünger waren als sie).

Nur zwei fielen raus aus dieser Reihe charmanter Garçons: 1990 der rechte Le-Pen-Gefährte Bernard D'Ormale und 1969 der deutsche Mann und Ex-Playboy Gunter Sachs. Der mochte seine Burschi-Bande selbst auf der Hochzeitsreise nicht missen, schlüpfte beim Besuch bei Mama artig in die Krachledernen und führte das angetraute Objekt der allgemeinen Begierde Jet-set und Medien vor. Er ist der Mann, der in Bardots Rückblick am kläglichsten abschneidet.

Der Mythos B.B. legt seine Memoiren vor: 830 (!) Seiten (leider schludrig und schwerfällig übersetzt), gewissenhaft notiert von der Geburt am 28. September 1934 bis heute. Ihre ersten vierzig Lebensjahre schildert sie brav im Tagebuchstil ab, die letzten zwanzig Jahre durcheilt sie in Siebenmeilenstiefeln. Sie weiß eben nur zu gut, daß die Welt sich auch heute kaum für den Menschen Brigitte Bardot, sondern nur für den Mythos B.B. interessiert. Doch sie nutzt die Gelegenheit, endlich auch ihre Wahrheit über die Kluft zwischen äußerlicher Umschwärmtheit und innerlicher Verlassenheit mitzuteilen.

Von Brigitte Bardot sei hier also die Rede. Ihre Wahrheit beginnt bitter. "Ich danke all denen, die mich wirklich von Herzen geliebt haben. Da sie nicht zahlreich sind, werden sie sich wiedererkennen", schreibt die 62jährige. "Ich danke all denen, die mich gelehrt haben, mit Tritten in den Hintern zu leben; die mich verraten und meine Naivität ausgenutzt haben und mich damit in eine tiefe Verzweiflung stürzten, aus der ich mich wie durch ein Wunder befreien konnte. Erfolg baut man auf Prüfungen auf - sofern man an ihnen nicht zugrunde geht" (Übersetzungen A. S.).