Jeder Computerbesitzer weiß, daß zwischen null und eins mehr Platz hat, als die binäre Algebra sich träumen läßt: Druckertreiber verschwinden ins Reich des Paranormalen, Betriebsergebnisse kommen als Zeichensalat aus dem Kalkulationsprogramm zurück, und in Textdateien tauchen plötzlich Fragmente auf, die längst gelöscht worden sind. Ein bißchen Magie gehört zum Alltag.

Programme, die offen behaupten, magische Kräfte zu haben, werden daher kaum als Sensation empfunden, sondern zur Gattung der utilities gerechnet, der kleinen Hilfsprogramme für alle Fälle. Wer weiß, vielleicht braucht man sie ja doch einmal.

Da ist zum Beispiel der ESP-Test, eine Art Zahlenratespiel, mit dem sich am Monitor ermitteln läßt, ob man Gedanken lesen kann, jedenfalls diejenigen, die der Rechner sich macht.

Auch ein elektronisches Lesegerät ist schon erfunden, das aus Handlinien automatisch Horoskope erstellt. Es nennt sich Palm-Reader und verhilft vielleicht der aussterbenden Gattung der Handscanner zu neuem Leben.

Die Software Selbst-Hypnose 5.0 für Windows schließlich bietet Bildchen, die zu betörender Musik auf den Betrachter zurasen. Wer an der Heilkraft von Bildschirmschonern zweifelt, wird zur Strafe davon Kopfweh bekommen.

Damit nicht genug: In der esoterischen Zeitschrift Mind wirbt die Firma Brainware Technologies für ihr Betriebssystem Baphosoft 96, eine Abwandlung von Windows 95 mit satanischen Symbolen. Und in der sonst eher nüchternen Computerpresse inseriert eine Firma mit dem vieldeutigen Namen Hilchner Daten und Medien einen Lügendetektor, der per Klettband an den Finger geheftet wird. Schließt man das "hochmoderne sensible elektronische Bauteil" an den Computer an, so produziert es Gemütsgraphiken aus dem Seelenleben des Users.