In einem Winkel der Netzwelt gibt es eine bezaubernde Spielhölle, die außer Bier, Zigarettenqualm und Lärm alles bietet, was man von einem solchen Lokal erwarten kann. Vor allem wird dort ohne Unterlaß Backgammon gespielt. Rund um die Uhr treffen sich Dutzende von Spielern aus allen Zeitzonen, und den Gast empfängt vielsprachiges Palaver.

Der Name dieser Stätte ist Fibs, ausgeschrieben: First International Backgammon Server. Im wirklichen Leben ist Fibs ein gewöhnlicher Rechner im kalifornischen Mountain View, der an das Internet angeschlossen ist (telnet://fibs.com:4321). Eine spezielle Software verwaltet den Spielbetrieb, vermittelt die Partner und überträgt wechselweise deren Spielzüge und Kommentare.

Zur Teilnahme gehört nicht viel: ein kleines Programm , das auf dem heimischen Bildschirm ein Backgammon-Brett aufbaut. Die Züge, die man tut, werden zum Fibs-Rechner übertragen, von dort kommt dann die Antwort des Gegners. Ein Textfenster erlaubt nebenher den Austausch von Geselligkeiten: "Hallo, ich bin in North Dakota." - "Oh. Wie war der Hurrikan Fran?"

Die weltweite Gemeinde, die sich um das Brettspiel schart, wäre ohne Fibs um einiges kleiner und ärmer. Je nach Tageszeit sind zwischen 40 und 140 Spieler über Fibs miteinander verbunden; von zweien ist bekannt, daß es Computer sind. Schaltet man sich neu hinzu, wird die Ankunft allen Anwesenden mitgeteilt. So dauert es meist nicht lange, bis man an einen digitalen Spieltisch gebeten wird.

Wer nicht selber spielen mag, kann sich eine fremde Partie auf sein Bildschirmbrett übertragen lassen. Der Befehl "kibitz" erlaubt es, Kommentare an Umstehende und Spieler zu verschicken.

Bisweilen scharen sich zahlreiche Neugierige um eine Partie, zum Beispiel wenn sich wieder einmal die Möglichkeit bietet, einem Spieler der Weltspitze über die Schulter zu schauen. Internationale Großmeister, denen es im wirklichen Leben oft an adäquaten Gegnern mangelt, gehen bei Fibs ein und aus.