Mehr als 1500 Verlage bieten in diesem Jahr auf der Frankfurter Buchmesse Digitales auf CD-ROM an. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Verlage mit Multimediaprodukten noch kaum Geld verdienen. Die Auflagen sind bescheiden, die wenigsten Titel spielen ihre Kosten ein. Zwischen 200 000 und einer Million Mark verschlingt die Produktion einer CD-ROM. Wenn 5000 Exemplare verkauft werden, ist das schon viel.

Die Kunden haben schlechte Erfahrungen gemacht, sie halten sich zurück. In den ersten Jahren des neuen Mediums wurden mit großem Werbeaufwand zahlbillig zusammengeschusterte Produkte herausgebracht. Nun versuchen einige Verlage, die CD-ROM aus dem Dunstkreis des Drittklassigen wieder herauszubugsieren. Am liebsten sähen sie ihre Scheiben in der Nachbarschaft des guten Buches. Nur fehlt es dem Medium bisher an klangvollen Namen, ja überhaupt an Namen. Bücher werden von Autoren gemacht, Bilder von Malern, Filme von Regisseuren. Aber wer macht eine CD-ROM?

Warum nicht mal ein bekannter Schriftsteller, dachten sich die Strategen von Systhema, dem Multimediaverlag aus der Holtzbrinck-Gruppe. Auf der letzten Buchmesse kündigten sie schon die erste wirkliche "Autoren-CD-ROM" an, und nun ist sie fertig: Joseph von Westphalens "Kosmos". Darin finden sich alle seine Werke, dazu Zeitungsschnipsel und Photos aus seiner persönlichen Sammlung, wozu der Meister beziehungsreiche Geschichten nuschelt. Verknüpfungen führen jeweils zu den passenden Stellen in den Büchern.

Ob das Medium aber Buchautoren in ausreichender Menge anziehen wird, mag niemand prognostizieren. Von Vorgesprächen hört man allenthalben, dabei fallen Namen wie Uwe Timm und Sten Nadolny, aber im allgemeinen halten die Verlage sich bedeckt. Die meisten beurteilen die Lage eher skeptisch. Systhema hatte auch Martin Walser für ein CD-ROM-Projekt angesprochen, doch der lehnte ab. Jürgen Thierig vom jungen Tivola Verlag glaubt, daß sich bekannte Autoren von CD-ROMs tunlichst fernhalten: "Erstens sind sie andere Honorare gewohnt, und zweitens sind sie selten gewillt, sich auf den Wahnsinn eines Multimediadrehbuches einzulassen." Wahrscheinlich etabliere sich in diesem Milieu ein neuer Typus von Autor. "Da entsteht gegenwärtig eine eigene Szene, und die kommt eher aus dem Bereich Film, Fernsehen oder Marketing."

Unterdessen bleibt den Verlagen immer noch die Methode, Erfolgsbücher einfach zu übertragen. Navigo , der Multimediaverlag von Burda und Pro Sieben, entschied sich für Stephen Hawking und hatte großen Erfolg. 33 000 CD-Versionen der "Kurzen Geschichte der Zeit" sind bis jetzt verkauft. Navigo setzt auf unterschiedliche Konzepte: mal sind es bekannte Autoren, mal berühmte Buchtitel, dann wieder Allzweckzugpferde wie der Talkmaster Alfred Biolek. Seine CDROM "Mein Kochbuch" steht bereits in mehr als 10 000 Haushalten.

Neu ins Programm kommt nun etwa "Sofies Welt". Die elektronische Version des Bestsellers von Jostein Gaarder soll im Frühjahr erscheinen. Die Protagonisten werden von Schauspielern dargestellt, und man kann sich in Grenzen mit ihnen über philosophische Fragen unterhalten.