Avantgarde, die auf Anhieb Spaß macht - welch seltener Fall im heutigen Musikgeschehen!

Wie oft lassen doch intellektuelles Konzept und elektronische Technik das Gefühl weit hinter sich zurück und den Zuhörer allein.

Nicht so die Düsseldorfer Elektropop-Formation Kreidler: Ihr gelingen auf "Weekend" unverhoffte Glücksmomente, angenehm im Klangbild, mit nie gehörten Sounds, ironisch und auch melancholisch, obwohl ohne Gesang und das Ganze geschieht auf der Grundlage nachvollziehbarer Rhythmen, die weder stören noch belehren.

Aufs Wesentliche beschränkt. Wie damals das Moped.

Kreidler Florett hieß das Ding, für viele war es der Einstieg in den motorisierten Verkehr, lange vor dem ersten Opel Kadett.

Ganz am Anfang fuhr man damit zur Schicht und in den Kleingarten.

Später, als der Wohlstand gewachsen war, half so ein Kleinmotorrad manchem Jugendlichen, die schwierige Zeit bis achtzehn, bis zum Führerschein, zu überbrücken den pubertären Mobilitätsstau, der sich erst löst, wenn man den Lappen Klasse 1 und 3 besitzt. Mit sechzehn Jahren durfte man per Moped und Fahrerlaubnis Klasse 5 an der großen Beschleunigung teilnehmen: 50 ccm Hubraum, 80 km/h Höchstgeschwindigkeit (angeblich), und ab ging's über nasses Kopfsteinpflaster, geradewegs durch die neueingerichtete Fußgängerzone, zur Not hinten auf dem Sozius, ohne Helm, die Plastiktüte mit den Schulsachen in der Hand, schöner Leichtsinn, manchmal tödlich.