Ottawa

DIE ZEIT: Herr Premierminister, Kanada hat es mit einem dynamischen, erfolgreichen, aber auch egoistischen Nachbarn zu tun, haben Sie Angst vor Amerika?

Jean Chrétien: Nein. Die Amerikaner respektieren im allgemeinen unsere Gesetze und unsere Andersartigkeit. Aber es gibt notwendigerweise Uneinigkeiten. Wir zögern nicht, jeweils unsere abweichende Meinung klar kundzutun.

ZEIT: Zum Beispiel bei Ihrer Unterstützung für UN-Generalsekretär Butros-Ghali oder im Fall Kuba.

Chrétien: Richtig. Als die Vereinigten Staaten ihren Kuba-Boykott mit dem Helms/Burton-Gesetz aller Welt aufzwingen wollten, ergriff ich sofort die Initiative und gewann zuerst die Unterstützung der Karibikstaaten und anschließend die der Europäer. Wir pflegen diplomatische Beziehungen mit Kuba, wir machen normale Geschäfte.

Die Amerikaner mag das irritieren, aber sie sollen uns nicht vorschreiben, was wir zu tun haben. Ich brauche mich nicht zu entschuldigen.

ZEIT: Und was ist mit Washingtons Argument, solche Regime gehörten geächtet?