Man weiß nicht genau, wie Simon Dubnow starb. Zusammen mit Tausenden anderer Juden wurde er am 8. Dezember 1941 aus dem Rigaer Ghetto in den Wald von Rumbula nahe der lettischen Hauptstadt getrieben.

Entweder ist er auf dem Weg umgekommen, aus Schwäche gestorben, erschossen oder erschlagen von SS-Männern oder lettischen Bewachern.

Simon Dubnow war 81 Jahre alt, als er ermordet wurde, und ein weltberühmter Gelehrter. Er schrieb eine zehnbändige "Weltgeschichte des jüdischen Volkes", "Die Geschichte der Juden in Polen und Rußland", eine "Jüdische Geschichte für Kinder" und die "Geschichte des Chassidismus". Dubnow war einer von vielen Wissenschaftlern, Künstlern, Architekten, Politikern und Publizisten aus der jüdischen Gemeinde Rigas, die von der Jahrhundertwende bis zum Zweiten Weltkrieg das Geistesleben in der zaristischen Provinz, später dann im jungen lettischen Staat geprägt hatten. Als Lettland 1940 bis 1941 von der Sowjetunion besetzt war und bald Deportationszüge nach Sibirien rollten, waren unter den über 30.000 Abtransportierten Letten auch Tausende von Juden. An einem einzigen Tag, dem 14. Juni 1941, wurden 15.000 Letten deportiert, darunter 5000 jüdische Bürger, etwa das frühere Regierungsmitglied Paul Minz oder der Abgeordnete Morduchai Dubin. Beide kamen in den Lagern des Gulag um. Wer nicht deportiert worden war, fiel 1941 den "Einsatzgruppen" der Deutschen oder ihren lettischen Hilfstruppen in die Hände wie Simon Dubnow oder wie die Geigerin Sarah Raschina. In ganz Lettland überlebten nur 1000 der 95 000 lettischen Juden den Holocaust.

In der Skola-Straße 6 in Riga steht das ehemalige Jüdische Theater.

Das kurz vor dem Ersten Weltkrieg gebaute fünfstöckige Haus mit vergoldeten Säulen und dem imposanten Treppenaufgang vermittelt noch eine Ahnung davon, wie seit Ende des 19. Jahrhunderts jüdisches Leben in Riga blühte. Zur Gewißheit wird dies im zweiten Stock des Gebäudes, das seit 1989 wieder der jüdischen Gemeinde gehört: In drei kleinen Räumen mit knarrenden Dielen hat sich dort das erste jüdische Museum in Lettland eingerichtet.

Margers Vestermanis ist einer der wenigen Rigaer Juden, die überlebt haben. Der 72jährige Historiker ist Gründer und Direktor des Museums.

Jahrelang hat Vestermanis, der das Ghetto und das lettische KZ Kaiserwald überlebt hat, gesucht und gesammelt, um überhaupt Ausstellungsgegenstände für sein Museum zusammenzubekommen. Was Hitlers Schergen mit der Vernichtung des lettischen Judentums begonnen hatten, setzten die sowjetischen Behörden fort. Der Mord an den Juden auf dem Gebiet der UdSSR wurde tabuisiert, die Leiden der Opfer ignoriert.