Bis zu sechs Monate Gefängnis oder eine Geldstrafe von 50 000 Schweizer Franken drohen dem, der sich am bestgehüteten Schatz des Züricher Finanzplatzes zu schaffen macht und das Schweizer Bankgeheimnis verletzt - ein Offizialdelikt. Zehn Zentimeter dick ist der juristische Kommentar zum Bankgesetz vom 8. November 1934, in dem allein der Abschnitt über die Verletzung des Bankgeheimnisses 112 Unterpunkte hat. Mit Haft kann auch bestraft werden, wer andere dazu verleitet, das Geheimnis anzutasten. Ein Verstoß gegen dieses Berufsgeheimnis gilt rechtlich nur als Vergehen und nicht als Verbrechen. Im Normalfall ist Versuch einer Anstiftung zu einem Vergehen, im Unterschied zu einem Verbechen, noch nicht strafbar.

Anders beim Sonderfall Bankgeheimnis: Schon der (erfolglose) Versuch, beispielsweise einen Bankangestellten zu überreden, Informationen über fremde Konten herauszurücken, wird bestraft.

Kein Wunder, daß kaum jemand bisher gewagt hat, das Bankgeheimnis zu verletzen. Seit 1990 habe es nur zwei Verurteilungen in dieser Sache gegeben, erklärt die Eidgenössische Bankenkommission, welche die mehr als 400 Schweizer Banken zu kontrollieren hat. So mußte im vergangenen Jahr ein Bankangestellter eine Geldstrafe zahlen, der einem Unbekannten, der sich am Telephon als Sohn einer Kundin ausgegeben hatte, Auskünfte über deren Kontobewegungen erteilt hatte. Neues hatte der Bankangestellte dem Anrufer gar nicht zu sagen: Der Unbekannte ließ sich lediglich die Kontoauszüge bestätigen, die er schon in den Händen hatte.