Süffisant kommentierte Mesut Yilmaz, Vorgänger des türkischen Islamisten-Premiers Erbakan, dessen Libyenbesuch als Reise eines Verrückten zu einem Verrückten. Anlaß waren die deftigen Bemerkungen des libyschen Staatschefs Ghaddafi zur türkischen Politik. Er hatte für einen unabhängigen Kurdenstaat plädiert und den Abbruch der türkischen Beziehungen zur Nato wie zu Israel verlangt.

Seither regen sich die Emotionen in der Türkei, und man fragt: Warum mußte Erbakan ausgerechnet zu dem Paria Ghaddafi reisen und ihn so politisch aufwerten? Was als politischer Coup gedacht war, endete aus türkischer Sicht mit einer Demütigung. Ausgerechnet ein Verfemter benennt offen die Tabus türkischer Politik und lobt die PKK. Erbakan hat sich verrechnet. Seine Reise zu den Außenseiter-Regimen in Libyen und Nigeria könnte zum Anfang vom Ende seiner Regierungskoalition werden. Erbakans blumige Rhetorik - hoch die internationale islamische Solidarität - wird zum Bumerang. Türkische Militärs spekulieren offen über einen Nachfolger für den Islamisten an der Spitze.

Nur - wer sollte das sein? Und wird die nächste Regierung länger halten als die gegenwärtige?