Das Wort "Jagd" mag Elan Steinberg nicht hören. Für ihn ist die Fahndung nach dem sogenannten Nazigold nichts anderes als eine "Suche nach Gerechtigkeit". Deshalb wird der Direktor des Jüdischen Weltkongresses nicht lockerlassen. "Der Schatz, den ein Mörder an sich riß", spielt er auf den biblischen König Ahab an, "gehört nicht dem Mörder - und auch nicht dem, dem er ihn überläßt."

Im Februar dieses Jahres erhielt Steinberg in der New Yorker Zentrale des Weltkongresses einen alarmierenden Anruf. Die Schweiz solle im Begriffe sein, die Akten zu schließen. 774 Konten, die von späteren Holocaust-Opfern vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges eröffnet worden waren, sollten aufgelöst werden. Ein "durchsichtiger Versuch", vermutet Steinberg, "aus Angst, daß wir mehr finden würden". Sollten Schweizer Bankiers tatsächlich Angst verspürt haben - sie wäre zu jenem Zeitpunkt noch unbegründet gewesen.

Denn alle Unterlagen über die Geheimkonten lagen in der Schweiz.

Sie waren den Rechercheuren des Weltkongresses ebenso unzugänglich wie die Schätze selber.

Der Weltkongreß fühlte sich, wie Steinberg sagt, zur "Konfrontation" gezwungen. Die Schweizer "mauerten". Ohne recht zu wissen, wohin die Suche führen würde, lenkte er seine Recherchen in das amerikanische Nationalarchiv. Er stieß auf Hinweise auf eine "Operation Safehaven".

Weshalb, wollte er vom Archivar wissen, hat das Nationalarchiv über diese geheimdienstlichen Dokumente nie Auskunft gegeben?

Die Antwort des Archivars: "Weil niemand nach ihnen gefragt hat."