Runde Kindersamtaugen. Fingerchen stupst gegen Busen, wie niedlich aber auch, hier reckt sich ein Po nach oben. Man sieht auf dem Photo, wie die Vulva hervortritt. Zwei junge Leute balgen sich, sein Penis steckt jetzt in ihr, "Mama", sagt das Kind in der Bildleiste: "Mama, ich hab ein bißchen ANGST, ich WILL nicht so ein Ding in meiner Scheide stecken haben."

Zwanzig Jahre lang hat man das Buch nicht angeguckt, ach war das damals aufregend! Aufklärung, mit echten Nackten! Grobkörnig und in Schwarzweiß, jedes Schamhaar zu sehen! Der Koitus war zu jener Zeit ein revolutionärer Akt. Eine Studentengeneration hechelte sich dem Goldenen Zeitalter entgegen. Dann wurde das großformatige Werk zur Ruhe gebettet, neben die grabesschwarze Suhrkamp Wissenschaft.

Und jetzt so was: Bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften in Bonn liegt ein Antrag des Jugendamtes Frankfurt auf Indizierung. Die Aufklärungsbroschüre "Zeig mal!", 1974 im Peter Hammer Verlag Wuppertal erschienen, soll eine Gefahr für Kinder sein.

Hatte man da irgendetwas übersehen?

Am Telephon ist Egon Lorenz, derzeit der Leiter des Jugendamtes Frankfurt, und er fragt streng: "Haben Sie die Photos gesehen?"

Er sagt: "Einige dieser Aufnahmen sind hart pornographisch!" Geschlechtsteile von kleinen Mädchen in Großaufnahme, das bringe doch Menschen auf Gedanken, die mit unseren Kindern nichts Gutes im Sinn hätten.

"Bitte gucken Sie das Buch mit den Augen einer Mutter an!" ruft Herr Lorenz.