Beharrlichkeit ist zwecklos, die Dame rückt das Papier nicht heraus.

"Das hat keinerlei Informationswert", sagt sie streng durchs Telephon. Wer nichts von Optionsscheinen versteht, bekommt bei der Fernbank ComDirekt sicherheitshalber auch keine Unterlagen darüber. Ende der Diskussion.

Die Zurückhaltung überrascht, denn eigentlich haben sich Deutschlands Finanzinstitute und ihre Verbände in diesen Monaten viel vorgenommen: Sie wollen konservative Geldanleger aus der Reserve locken. Die deutschen Sparer sollen neue, spannendere Anlageformen entdecken, und die Zeiten könnten dafür nicht besser sein: Bei klassischen Produkten wie Festgeld und Rentenpapieren bleiben die Erträge vorerst lau, die Telekom mobilisiert bereits in einer gigantischen Werbekampagne die deutschen Aktienmuffel, und auch die Auswahl unter den Finanzprodukten wächst.

Doch wer sich einen Ruck gibt und bei einem Anlageberater vorspricht, erlebt meist eine Überraschung: Er wird erst mal tüchtig ausgehorcht.

Die Direktbank-Beraterin bohrt am Telephon, in der Sparkasse um die Ecke soll ein seitenlanger Fragebogen ausgefüllt werden, bei der Bank 24 wartet sogar im Internet ein Formular. Die Banker wollen wissen, was mancher sogar der eigenen Ehefrau verschweigt: das Jahreseinkommen, das Gesamtvermögen, die Höhe der Schulden und Geldanlagen.

Viele Kunden fühlen sich da vergrault. Bislang beschwerten sich schon mehr als hundert potentielle Anleger beim Bundesamt für Wertpapierhandel (BAW) in Frankfurt. Doch die Empörung trifft die Falschen: Die Neugier der Berater ist gesetzlich vorgeschrieben.

Seit 1995 verlangt das deutsche Wertpapierhandelsgesetz im Paragraphen 31, daß jeder neue Anleger zunächst nach seinen Erfahrungen und Kenntnissen befragt werden muß. Außerdem sind einige Informationspflichten festgelegt, und bei Fehlberatung müssen die Banken stärker haften als früher.