Stadt in Angst: Die Frankfurter Buchmesse beginnt" lautet der Untertitel einer Zeichnung im Feuilleton der FAZ. Darüber haben die beiden Zeichner Achim Greser und Heribert Lenz einen rasenden Mob abgebildet, der mit dem Zug in den Frankfurter Hauptbahnhof einfährt. Statt FC-Bayern-Fahnen und Fan-Club-Aufnähern jedoch zeigen die mit Bierdosen und Fanfaren Bewehrten Rowohlt-Verlags-Abzeichen, Duden-Aufkleber, Diogenes-Schals und Suhrkamp-Tätowierungen. Unnötig zu betonen, daß diese Zeichnung mit der Wirklichkeit nicht das geringste gemein hat.

Wer eine Straßenbahn zwischen Hauptbahnhof und Messegelände besteigt, könnte glauben, man hätte die gängige Frankfurter Stadtbevölkerung zum Kurzurlaub in die umliegenden Dörfer verschickt und komplett durch kosmopolitisch-flotte Literaturkenner ersetzt. Viele Mitfahrer tragen stolz ihren Messeausweis, und bevor man jemandem auf die Füße tritt, schaut man nach seinem Namen. Man kann auf Ulrich Kienzle und Jean Pütz treffen und einmal sogar auf Wolfgang Mischnick.

Der sitzt auf einem Fensterplatz, mit ins Gesicht gezogener Mütze.

Typisch Mischnick!

Buchmessen-Eröffnung! Bevor Seamus Heaney und Irlands Präsidentin Mary Robinson kluge Reden halten, spricht Bundeskanzler Kohl.

"Es ist etwas Besonderes", sagt er, "ein Buch in den Händen zu halten oder es im Bücherschrank zu wissen." Und daß der Buchleser sein eigener Herr sei, "in einem ganz praktischen Sinne", denn "strenggenommen" brauche der ja "nicht einmal das Tageslicht, sondern nur den Schein einer Kerze". Aber auch: "Das Buch ist greifbar, und oft ist es auch schön." Recht hat er!

An den meisten Tagen ist der Eintritt zur Messe lediglich für Fachbesucher gestattet. Die Kontrollen sind streng. Als Fachbesucher gelten: Verleger, Aussteller, Journalisten, Studenten, Buchmacher, Buchhalter, Buchfink. Mann und Maus, Frau und Kind und Kegel, Kanzler und Finanzminister. Lilo Wanders, Heino, Pfarrer Fliege.