All die Kinder hier! Na, die Jugend an die Kunst heranführen, kann nichts schaden. Gerempel und Malblockschwenken. Aber diese ganz kleinen, querfeldein übers Parkett robbend, durchs andächtige Gedränge, bißchen riskant. Sind so kleine Hände, darf man nicht drauf treten, wenn man sich der ikonographischen Kontemplation hingibt, vor der delikaten "Zeichenstunde" zum Beispiel, ob das Rindsfigürchen aus Gips auf dem Wandbord des Ateliers an den antiken Bildhauer Myron gemahnt oder an den Stier des heiligen Lukas, Schutzpatron der Maler, beziehungsweise ob es eine Anspielung auf die Lukasgilde in Leiden sein könnte, zu deren Führungspersonal Meister Steen gehörte - also, wenn man dann so ein Rupfen am Schnürsenkel spürt und zugleich ein Krähen von unten hört . . .

Obwohl, vielleicht sollte man auch gar nicht so scharf hinkucken bei der Steen-Ausstellung im Amsterdamer Rijksmuseum und nicht allzu tiefen Blicks in den fünfzig Gemälden ("aus allen Schaffensperioden des Künstlers") herumstochern: Wirken da nicht viele seiner Gesichter doch ein bißchen flau? Scheint die Perspektive nicht arg flach?

Die Atmosphäre mau? Und woher kommt hier überhaupt das Licht?

Ist so ein Fall für sich, der Jan Steen. Verglichen mit Frans Hals, der Geistes- und Körpergegenwart seiner Menschen, verglichen mit Rembrandt, Terborch, Vermeer, mit dem Perfektionisten Dou . . .

Ein wenig - flüchtig? Schlampig? Mehr Karikaturen als Charaktere?

Hm.

Doch dann sieht man plötzlich die Kinder, Steens Kinder, gleich auf dem fünften oder sechsten (eher etwas unscheinbaren) Bild, einer der vielen "Dorfhochzeiten", die er gemalt hat: ein Gesichtchen in der Menge, ein bißchen aufgeregt, ein bißchen erstaunt dem Betrachter zugewandt, offener Mund, das Hütlein verrutscht - doch dabei, mittendrin, mit den Großen zur Feier, und sollte die Mutter ihm später vorschlagen, zwischendurch mal ein kleines Mittagsschläfchen zu halten, wird es gleich sc hreien, Bin gar nicht müde! Und aus dem Fenster hängt ein junger Trommler und lärmt, daß die Schlegel fliegen, in dem rasenden Kinderglück, der Lauteste sein zu dürfen, König Krach.