Hinter den satt ins Schloß fallenden Türen, tief im verwinkelten Inneren des Bankhauses Julius Bär, herrscht hundert Jahre alte Schweizer Gediegenheit. Auf dem Marmorsims des Kamins ein Fasan aus massivem Silber. Kronleuchter, wandhohe Spiegel, Stuckreliefs bis hinunter aufs leise ächzende Parkett aus harten Hölzern. Diese Kulisse wählt der Privatbankier Hans J. Bär, um wichtige Kunden zu empfangen und wenn er der Außenwelt etwas zu sagen hat.

Die Außenwelt will in diesen Wochen wissen, ob Schweizer Bankiers sich am Raubgold der Nazis bereichert haben. Auch, ob die verschwiegenen Banken von Zürich und Genf sich wortlos Vermögen von Juden einverleibt hätten, die in den Konzentrationslagern der Deutschen ihr Leben ließen. Der Bankier Hans J. Bär hat Antworten - wenn auch nicht auf alle Fragen. "Man muß die Dinge auseinanderhalten", erläutert er souverän. "Das Raubgold ist eine Angelegenheit der Nationalbank.

Die sogenannten nachrichtenlosen Konti der Holocaust-Opfer sind Sache der Geschäftsbanken. Wir als Privatbank haben unsere Konti besonders gut dokumentiert, wir haben es auch leichter, bei Nachforschungen fündig zu werden als die drei Großbanken mit ihren Millionen von Konti." Das heißt, die Bank Bär ist fein raus und gibt den Schwarzen Peter an die großen Banken weiter. Sie hat den größeren Teil ihrer 25 000 Konten durchstöbert und nur zwei herrenlose gefunden, die Guthaben lagen unter 10 000 Schweizer Franken.

Schon im April hatte die Schweizer Bankiervereinigung Bär gebeten, dem Bankenausschuß des amerikanischen Senats Rede und Antwort über herrenlose jüdische Vermögen auf Schweizer Konten zu stehen.

Das war noch, bevor auf Betreiben des World Jewish Congress amerikanische und britische Medien die Schweizer Finanzwelt angeprangert hatten.

"Ich biete wenig Angriffsfläche", sagt der massige Bär. Er ist Jude, hat während der Zeit des Nationalsozialismus im amerikanischen Exil studiert und nach dem Krieg die Leitung der Familienbank in Zürich von seinem Onkel übernommen.

Die erste Zeugin in jener Senatsanhörung, die 74 Jahre alte Jüdin Greta Beer, hatte ihn mit ihrer Wehklage über die schroffe Zurückweisung durch Schweizer Bankiers ins Herz getroffen. Sagt er. Spontan habe er, Bär, sie eingeladen, um ihr persönlich zu helfen, nach dem Vermögen ihres Vaters zu suchen, das dieser während des Kriegs in der Schweiz deponiert hatte. Unter großem Pressewirbel war sie in Zürich gelandet und von Bär auf dem Flughafen abgeholt worden. Die Rückreise war eher still. "I'm leaving with a heavy heart - Ich fahre schweren Herzens zurück -, das waren ihre Abschiedsworte nach nur drei Tagen", sagt Bär. Er konnte nicht wirklich etwas für sie tun. Greta Beer füllte ein Formular aus, das an den zuständigen Ombudsmann des Bankenwesens geschickt wurde, und wartet bis heute auf eine Antwort. Vielleicht findet man das Konto ihres Vaters bei irgendeiner Bank. Vielleicht stellt man fest, daß irgend jemand längst alles abgehoben hat. Wer, das dürfen die Bankiers dann nicht sagen. Bär: "Das Bankgeheimnis."