ARAD. - "Der Tunnel rührt an die Grundfeste unserer Existenz."

Dieser Satz Premierminister Netanjahus verdeutlicht das ganze Problem der Verschiedenartigkeit innerhalb der israelischen Gesellschaft.

Israel ist nicht gegründet worden, um Tunnel unter das muslimische Viertel in Jerusalem zu graben und den jüdischen Charakter Hebrons wiederherzustellen. Israel wurde geschaffen, um den jüdischen Menschen das Leben einer freien Nation zu ermöglichen, und zwar in Harmonie und Frieden mit ihren Nachbarn wie mit der übrigen Welt. Dieses Ziel ist zum Greifen nahe, aber es gibt einige unter uns, die Israel zu einer neuen Art von Krieg für neue Ziele drängen.

Wird die Gründungsidee Israels tatsächlich auf dem Altar der "Grundfeste unserer Existenz" geopfert, so kann uns das alle in einen endlosen Zyklus von Religionskriegen ziehen.

Benjamin Netanjahu wurde zum Premierminister gewählt, weil Zehntausende von israelischen Wählern, denen nichts an einem Religionskrieg gegen den Islam gelegen ist, auf sein Versprechen setzten, den von Rabin und Peres eingeschlagenen Weg zum Frieden fortzusetzen.

Wenn auch unter stärkerer Beachtung der Sicherheit. Der Tunnel unter dem Tempelberg und das jüdische Bollwerk im Herzen des arabischen Viertels in Hebron haben jedoch nichts mit Israels Sicherheit zu tun. Hätte Netanjahu während des Wahlkampfes unsere "Grundfeste" beschworen, hätte er verloren.

Zwanzig Jahre lang hat eine fundamentalistische Minderheit die israelisch-palästinensische Tragödie zu einem religiösen Konflikt um heilige Stätten erhoben. Diese Minderheit hat es verstanden, ihre Absicht hinter Argumenten für die nationale Sicherheit zu verbergen. Doch ihr wahres Motiv ist religiöser und nationalistischer Egoismus. Die Unredlichkeit des Sicherheitsargumentes hat sich nie zuvor so deutlich offenbart wie jetzt beim Streit über den Tunnel unter dem Tempelberg.