Die beste Küche ist die Piemonts", verkündete Friedrich Nietzsche in "Ecce Homo", noch ganz im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte.

Schade nur, daß man diesen Tatbestand im Land der Dichter und Denker kaum zur Kenntnis zu nehmen pflegt. Martina Meuth und Bernd Neuner-Duttenhöfer helfen diesem Mangel nun ab mit ihrem opulenten Bildband Piemont und Aosta-Tal (Droemer Knaur, München 1996 252 S., 98,- DM) ab, in dem, so der Untertitel, "Küche, Land und Leute" vorgestellt werden - ein schönes und farbenfrohes Buch, das zudem gut geschrieben ist.

Wer mit den Augen zu essen versteht, wird jedenfalls bestens bedient: Nahezu alle Delikatessen der Region werden auf halb- und ganzseitigen Hochglanzphotos serviert und in Rezeptform ausführlich beschrieben.

Der Anspruch, über Land und Leute zu informieren, trägt allerdings weniger weit: Abgesehen von den persönlichen Erfolgsgeschichten der Gastronomen, erfährt man über das Leben im touristisch vernachlässigten Piemont oftmals nur verklärend Oberflächliches, zumindest nichts, was den Gedanken an ein stimmungsvolles Essen in romantischem Ambiente stören könnte. So dreht sich im Kapitel zur Terra incognita des Granatals alles nur um den berühmten Castelmagno D.O.C.-Käse.

Daß man auf dem Weg zum ausgewählten Restaurant an Schildern mit der Aufschrift minouranco prouvencalo (provenzalische Minderheit) und an Wände gesprühten Freiheitsparolen vorbeifährt, bleibt unerwähnt.

Auch die Realität des "wilden und romantischen" Mairatals wird nur schwach gestreift, und der als "malerisches Dorf Cucciales" bezeichnete abgebildete Ort heißt in Wirklichkeit Coletto und liegt ebenfalls im Granatal.

Weniger verzeihlich ist das Kapitel über das Restaurant im Ortsteil von Boves bei Cuneo. Boves ist ein Ort mit trauriger Berühmtheit.