Ganz gleich, welche der drei folgenden sächsischen Städte man besucht, stets bekommt man die Spruchweisheit zu hören: "In Chemnitz wird gearbeitet, in Leipzig wird gehandelt, in Dresden wird gepraßt."

Ob dieses historische Resümee auch weiterhin Gültigkeit hat, steht dahin. Leipzig jedenfalls - mit den architektonisch beeindruckenden Fassaden seiner alten Messe- und Handelshäuser, den weitläufigen Innenhöfen und hohen Einkaufspassagen - gibt sich derzeit so animierend, gesellig und genußfreudig, daß beim Besucher keinerlei Langeweile aufkommt.

Es war daher an der Zeit, daß sich auch die Hotellerie der Stadt mit einem Hauch von Luxus schmücken durfte. Im Frühjahr übernahm Kempinski, Deutschlands renommierteste Hotelgruppe, die Leitung des von Grund auf renovierten Traditionshotels "Fürstenhof" am Tröndlinring, nahe dem Bahnhof. Mit 92 Zimmern und 16 Suiten ist das aus dem 18. Jahrhundert stammende ehemalige Bürgerpalais das kleinste unter den weltweit 24 Häusern des Hotelkonzerns. Die Leipziger freut's, daß sie nun gleichziehen können mit Dresden, der ewigen Rivalin an der Elbe, die sich schon länger mit dem ebenfalls zu Kempinski gehörenden "Taschenbergpalais" brüsten kann. Beide Nobel-Etablissements, das in Dresden und das in Leipzig, sind die bisher einzigen Unterkünfte in den neuen Bundesländern, die in den exklusiven Kreis der "Leading Hotels of the World" aufgenommen wurden.

An Geschäftsreisenden, die sich auch bei flauer Wirtschaftslage Unterkünfte zu Luxuspreisen leisten können, scheint es derzeit nicht zu fehlen. Leipzig gilt neben Frankfurt am Main bereits als wichtigstes Bankenzentrum der Bundesrepublik, und als Messestandort ist ihm mehr denn je ein internationales Publikum sicher. Denn der neue Messekomplex im Norden der Stadt, eine vielgepriesene architektonische Meisterleistung aus Stahl und Glas, hat Zeichen gesetzt.

Zwar belasten Arbeitslosigkeit und kommunale Finanzknappheit Leipzig nicht weniger als andere Städte Ostdeutschlands, im inneren Stadtbereich jedoch läßt sich nichts von dieser Misere erkennen. Weithin signalisieren Baukräne einen ungebremsten Aufbruch, überall in der Altstadt werden historische Gebäude entkernt, wehen Baunetze zwischen den bereits renovierten, in pastelligen Farben leuchtenden Hausfassaden historischer Gebäude. Wer einige Wochen nicht da war, darf sich auf neue Überraschungen gefaßt machen.

So wurde in den denkmalgeschützten Parterreräumen des Riquet-Hauses, dessen Eingang wie eh und je zwei kupfergetriebene Elefantenköpfe schmücken, inzwischen ein Wiener Kaffeehaus eingerichtet. Die Dickhäuter waren das Markenzeichen der Firma Riquet, deren Handel mit dem Orient und Ostasien bis ins Jahr 1745 zurückreicht. Und auch das hübsche Hochrelief in der Kleinen Fleischergasse 4, dem ältesten Leipziger Kaffeehaus, leuchtet wieder in frohen Farben.

Es zeigt, unter einem Kaffeebaum sitzend, einen Türken, dem ein Putto eine Schale Kaffee reicht.