Niemand muß höhere Preise für den Pauschalurlaub zahlen als Familien mit schulpflichtigen Kindern. Denn pünktlich zu jedem Ferienbeginn kassieren die Veranstalter satte Hochsaisonzuschläge. Die Urlaubsfirma Olimar in Köln, bei der im vergangenen Jahr 191 000 Bundesbürger eine Pauschalreise buchten, denkt jetzt über Maßnahmen nach, um die Familien zu entlasten. Ein Interview mit Olimar-Inhaber Werner Zahn (60).

DIE ZEIT: Mit dem Prinzip, die höchsten Preise des Jahres anhand des Schulferienkalenders festzulegen, sind die deutschen Reiseveranstalter in den letzten Jahrzehnten gut gefahren. Warum wollen Sie daran etwas ändern?

Werner Zahn: Alle Veranstalter sehen seit dem vergangenen Jahr an ihren Buchungszahlen, daß Familien mit Kindern die Preise in der Hochsaison nicht mehr zahlen können oder wollen. Das hat dazu geführt, daß die Hochsaison nicht ausgebucht war und viele Sonderangebote auf den Markt kamen.

ZEIT: Trotzdem ist es immer noch so, daß ausgerechnet Familien mit schulpflichtigem Nachwuchs die Ferien all jener Leute subventionieren, die in der Nebensaison zu Spottpreisen verreisen. Sehen Sie eine Chance, diese unsoziale Schieflage ins Lot zu bringen?

Zahn: Von der sozialen Marktwirtschaft reden wir ja immer nur sonntags. Als Unternehmen ist man natürlich dazu verpflichtet, Profite zu machen. Wir bei Olimar haben gerade erst begonnen, über eine andere Preisgestaltung nachzudenken. Eine Patentlösung gibt es nicht. Das Preisgefüge zu ändern ist ein langwieriger Prozeß, der einige Jahre dauert.

ZEIT: Welche konkreten Maßnahmen könnten Sie sich denn vorstellen, um Familien im Urlaub finanziell zu entlasten?

Zahn: Auf der Basis einer dreißig Wochen langen Saison könnte man eine andere Kalkulation machen, indem man die Nebensaison verteuert und die Hauptsaison verbilligt. Das ist aber sehr schwierig, denn wie soll ich das unverheiratete Pärchen animieren, im Juni oder September mehr zu zahlen? Und wenn ich die Preise in den Sommerferien senke, sind es vielleicht auch wieder Yuppies, die das als erste merken und buchen. Eine andere Idee wäre, daß man einer vierköpfigen Familie, die gemeinsam reist, zum Beispiel einen Mietwagen dazugibt. Aber wenn man so etwas macht, bekommt man bestimmt Ärger mit den Abmahnvereinen, die unlauteren Wettbewerb wittern.