Urlaub kann so schön sein: den lieben langen Tag in der Sonne liegen, massenhaft schnulzige Romane lesen und außer zum Seitenumblättern zwei Wochen lang keinen Finger rühren. Eine wunderbare Sache, nicht wahr, und außerdem die optimale Erholung für Körper und Seele. Leider jedoch, wie alles, was wir lieben: völlig out.

In Zeiten wie diesen, wo in jedem Krankenkassenrundbrief mahnend das Wort Fitneß! auftaucht und selbst vom Leben gebeutelte Mittsiebziger sich noch mutig dem Hanteltraining in der Gruppe hingeben, wird solch öffentlich zur Schau gestellte Faulheit sogar in den Ferien als geradezu unmoralisch empfunden. Das ist uns unlängst wieder einmal schmerzlich klargeworden, als rundum sämtliche Strandkörbe leer blieben, weil alles, was Beine hatte, in der größten Mittagshitze auf irgendwelchen Trimmpfaden zugange war.

Dann also ade, du liebe Sonnenliege? Einmotten, das gute Stück und antreten zu Körperertüchtigung und Muskelaufbau? Jawohl, und zwar hopp, hopp, ehe die Bandscheibe komplett flötengeht. Rein ins Turnleibchen, tief durchatmen und los.

Nur: wohin? Gott ja, in den Kegelclub, die Tennisschule oder ins Freibad vielleicht, um endlich Schwimmen zu lernen. Oder in den örtlichen Gymnastikverein, da ist der Mitgliedsbeitrag niedrig und der Orthopäde gleich um die Ecke.

Recht und schön, aber doch wohl ein bißchen langweilig, oder?

Jedenfalls für Leute, denen der Sinn nach Fetzigerem steht als nach, sagen wir: Rumpfbeugen vorm offenen Schlafzimmerfenster.

Denen greift wunderbarerweise wieder einmal die Touristikwirtschaft helfend unter die Arme. Fun, Action und Events neuerdings auf der ganzen Linie, Sportcamps von Westjütland bis Süditalien, Pauschalprogramme, die sich durch die Bank lesen wie Drehbücher für James-Bond-Filme: Paragliding und Mountainbiken in Tirol, Free climbing in den Dolomiten, River Rafting in Alaska, Inline-Skating auf dem Supermarktparkplatz oder auch "Speedo Aquatic Fitness Systeme" in der Jugendherberge Wipperfürth.