Die Bühne ist ein großer Haufen Heu. Darin, zur Hälfte versunken: drei schwarze Konzertflügel und das Wrack eines vierten. Im Heu nun ergehen und ergötzen sich vier Fräuleins in weißen Gewändern.

Sie heißen Mana, Sora, Lato und Mela und tun Dienst bei einem König. Das heißt, sie haben strenggenommen nichts zu tun, es grassiert ein entsetzlicher Müßiggang. Die Damen singen ein bißchen, lachen ein bißchen, heulen ein bißchen - und sinken seufzend ins Heu.

"Ist es schon elfe?" fragt immer mal wieder die eine oder die andere - es ist aber gerade mal erst halb acht.

Und so geht das erste Viertelstündchen dahin.

Die vier Schönen im Heu haben einen Begleiter und musikalischen Assistenten: ein kurioses, dürres Zwitterwesen mit Hornbrille, Herrenunterhemd und Pluderhosen. Dies ist der Musiker Jürg Kienberger, der eine junge Witwe, die Schwester des Königs, spielt. Kienberger hat uns schon viele Schlummerstunden im Marthaler-Theater mit seinen Grillen- und Nachtigallengesängen versüßt. Und nun singt er mit den Damen im Heu innig deutsche Lieder, vom Knaben, der das Röslein brach, vom Prinzen, der nicht einschlafen kann.

Das Theater singt und zirpt und kreiselt vor sich hin. Und zum elften Mal fragt eine auf der Bühne, ob es denn schon elfe ist.

Es ist aber gerade erst acht.