ARD, Donnerstag, 3. Oktober:

"Reise nach Weimar"

Die Geschichte ist hübsch: Von der Liebe enttäuschte, nicht mehr ganz junge, aber zauberhafte Dame (Barbara Auer) trifft im Weimarer Goethe-Haus vom Leben enttäuschten, aber nicht unterzukriegenden Herrn (Sylvester Groth) beide wissen: Sie sind füreinander bestimmt.

Bevor das Drehbuch ihnen seinen Segen gibt, müssen sie allerdings kräftig leiden, denn sie kommen aus verschiedenen Welten: Mafalda stammt aus München und will sich als Geschäftsfrau niederlassen Hauke ist der letzte Kommunist von Weimar und seiner Sturheit wegen stadtbekannt. Als Schuldirektor ist er längst untragbar, er jobbt herum und fiedelt auf dem Marktplatz nur seine Tante Marta hält zu ihm. Seine Ostalgie und Mafaldas Pragmatismus - das geht nicht gut zusammen, zumal der Wahlspruch Tante Martas, "Verbringe nicht die Zeit mit der Suche nach einem Hindernis, vielleicht ist keins da", für diesen Fall nicht paßt.

Oder? Die Geschichte hat ihre Konstruktionsfehler. Wer will glauben, daß ein frisch verliebtes Paar ("So glücklich wie noch nie im Leben") sich wegen eines lediglich geplanten Immobiliendeals tief entzweit? Wer will es für wahrscheinlich halten, daß Tante Marta und Mafaldas Opa über Monate hinweg konspirieren, um den verstockten Romeo zu seiner verzweifelnden Julia zurückzuführen? Plausibel war das alles nicht, und Tante Martas vorzügliche Devise wird nur deshalb vom Drehbuch nicht befolgt, weil der Film sonst allzuschnell zu Ende wäre. Die Hürden, die Mafalda und Hauke von ihrem Glück trennen, sind künstlich hochgetürmt, zum Ausgleich ist die Versöhnung genauso märchenmäßig, und es gibt ein wirklich schönes Happy-End.

Daß aus der wenig überzeugenden Geschichte gleichwohl ein ansehnlicher Film geworden ist, hat drei Gründe: Buch, Regie, Darstellungskunst.

Ein Drehbuch ist ja immer nur eine Zitatensammlung die Ereignisse, auf die es sich bezieht und aus denen es gleichsam Ausschnitte vorführt, haben potentiell Vorlauf, Nebenstränge, Zukunft. Man kann auch aus einer schiefen Geschichte die den Film konstituierenden Szenen klug auswählen - und das ist Autor Johannes Reben geglückt.