Die Betreiber des Müritz-Nationalparks in Mecklenburg-Vorpommern wollen die Autoflut eindämmen. Ausflügler sollen auf Bus und Schiff umsteigen. Zwei neue Buslinien und das Müritz-Nationalpark-Ticket wurden im September mit Erfolg getestet.

Der frühere DDR-Ministerpräsident Willi Stoph schätzte die bewaldete Landschaft am Ostufer der Müritz als persönliches Jagdrevier.

Nach dem Sturz des SED-Regimes ließ die letzte DDR-Regierung die Zäune abreißen und erklärte das Gebiet 1990 zum Nationalpark.

Auf die Öffnung folgte der Ansturm der Urlauber und Ausflügler auf den Müritz-Nationalpark mit dem eigenen Wagen, der selbst von Verbotsschildern nicht aufgehalten wird.

Abgase, Lärm und wilde Parkplätze beeinträchtigen seitdem nicht nur den Erholungswert des 313 Quadratkilometer großen Parks, sondern gefährden auch Flora und Fauna, beispielsweise Kranich, Seeadler und Schwarzstorch. Auch 800 Schmetterlings-, 400 Spinnen- und 1000 Käferarten, klagt der Chef des Nationalparkamts in Neustrelitz, Ulrich Meßner, drohten in Stophs ehemaligem Jagdgebiet unter die Räder zu kommen.

Doch seit September gibt es Hoffnung, daß der Autoflut Einhalt geboten werden kann. Zwei neue Buslinien, die am Ostufer des zweitgrößten deutschen Binnensees zwischen Waren und Boek eingerichtet wurden, und das Müritz-Nationalpark-Ticket fanden in einem Pilotversuch überraschend gute Resonanz.

Zum Preis von 16 Mark für einen Tag und 30 Mark für drei Tage konnte man beide Buslinien sowie die Schiffsrouten auf der Müritz benutzen. Innerhalb von drei Wochen wurden während der Nachsaison 2000 Tickets verkauft. Wegen des geringen Besucherandrangs in den Wintermonaten wird das Angebot zunächst wieder eingestellt.