Diesen Konflikt hat vermutlich keiner der Beteiligten gewollt.

Aber beide laufen mit vollem Tempo hinein: Zwischen Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer und Bundesfinanzminister Theo Waigel bahnt sich ein Showdown über die Europäische Währungsunion an.

Der erste gibt immer offener zu erkennen, daß ihm die Vorbereitung des historischen Projekts nicht mehr paßt: Tietmeyer sieht Weichmacher am Werke und die Stabilität des künftigen Euro in Gefahr. Der zweite fühlt sich von der Bundesbank sinnlos in die Enge getrieben: Waigel weiß nicht, was er noch zur Härtung des Euro tun soll, ohne seine europäischen Partner zu überfordern und den Vorwurf zu provozieren, mit der Währungsunion errichte Deutschland seine Vorherrschaft über Europa.

Daß dieser Verdacht nicht aus der Luft gegriffen ist, bestätigten ungewollt die Spitzen der deutschen Wirtschaft, als sie sich Anfang der Woche auf dem Petersberg bei Bonn versammelten. Hoch über dem Rhein frohlockte der Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Olaf Henkel: "Man muß doch mal sagen, daß wir uns in Europa auf der ganzen Linie durchgesetzt haben - und jetzt kommt auch noch der Stabilitätspakt von Finanzminister Theo Waigel."

Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt (FDP) meldete sogar schon den Vollzug: "Der point of no return ist schon überschritten!"

Doch in der ersten Reihe saß einer, den all das überhaupt nicht beeindruckt: der Bundesbankpräsident. Henkels Siegesmeldung muß Tietmeyer innerlich zum Kochen gebracht haben. Nicht nur, weil das CDU-Mitglied noch nie ein Euro-Euphoriker war. Er und die Mehrzahl seiner Kollegen im Zentralbankrat sehen in jüngster Zeit mehr Anlaß zu Besorgnis als zum Feiern: Ihr Unwillen ist groß, scheint doch die Währungsunion mittlerweile kaum mehr aufhaltbar.

Wenn nichts Außergewöhnliches mehr passiert, dürfte sie pünktlich zum 1. Januar 1999 in Kraft treten. Tietmeyer möchte die Entscheidung dagegen bis 1998 offenhalten - und damit die Möglichkeit, den Start zu verschieben, falls nicht genügend Länder die Eintrittskriterien erfüllen. Die Frankfurter Währungshüter fühlen sich durch die jüngsten Entwicklungen bestätigt: