Was haben wir, was Pflanzen nicht haben? Menschen und Tierkörper werden von dem Protein Kollagen zusammengehalten. Das lange, elastische Kettenmolekül hält die Zellen von Haut, Knochen, Muskeln, Sehnen und inneren Organen an ihrem Platz. Außerhalb des Tierreichs wurde Kollagen noch nie gefunden - bis vor kurzem.

Jetzt hat die kanadische Biologin Martina Celerin bei dem hefeartigen Pilz Microbotryum violaceum das Gen für Kollagen entdeckt. Die Zellen des Pilzes sind mit biegsamen haarförmigen Röhren (Fimbriae) bedeckt. Ihre Funktion ist noch unbekannt. Um zu testen, ob das Pilzkollagen dem menschlichen Pendant ähnelt, ließen Forscher im US-Krebsforschungsinstitut bei Washington menschliche Zellen auf gereinigtem Pilzkollagen wachsen. Sie wuchsen genausogut wie auf menschlichem Kollagen und in derselben charakteristischen Sternform (New Scientist, Bd. 2049, S. 19). Schon seit längerer Zeit vermuten Biologen eine Verwandtschaft zwischen dem Tier- und dem Pilzreich. Die Fähigkeit, Kollagen zu bilden, ist eine erste Gemeinsamkeit. Sollten wir wirklich näher mit den Pilzen als mit den Pflanzen verwandt sein, müßten sich allerdings noch mehr Ähnlichkeiten finden lassen. Von dem unerwarteten Fund angestachelt, suchen Forscher jetzt nach weiteren Gemeinsamkeiten von Pilz und Mensch.