Ein Scherz machte Guillaume Bijl bei den Kasselern zum bekannten Mann. Zur letzten documenta stellte er in die Schaufenster des Kaufhauses Leffers, gerade gegenüber vom Fridericanum, ein Wachsfigurenkabinett.

Jan Hoet, den Direktor der documenta, mit documenta-Plakat und documenta-Schwan, Joseph Beuys mit Fettecke und das ehrenwerte Ehepaar Bode (er war documenta-Begründer) mit einem Paul-Klee-Gemälde.

Durch das Wachs hatten sie alle eine etwas verrutschte Physiognomie erhalten, schartig wie die Fettecken von Joseph Beuys. Dieser Bijl, so sagte sich der Tourist, nimmt das mit der Kunst nicht ernst genug. Und er hatte recht.

Kunst sei überflüssig, Ausstellungsräume sollten besser nützlichen Zwecken zugeführt werden, empfahl der Belgier den Behörden am Anfang seiner Karriere, im Jahr 1979. Seither füllt er Zimmer in Museen und Galerien mit Rekonstruktionen von Fahrschulen, Lampenläden, High-Tech-Firmen, Fitneßsalons oder Futon-Geschäften. Jede Biennale oder documenta, jede Sondershow oder Retrospektive, an der er teilnimmt, ist Anlaß für ein neues Projekt des Beschaffungsvirtuosen.

Sein Ehrgeiz besteht darin, reale Einrichtungen getreu zu kopieren.

Dabei leistet er sich kein Abweichen, keine Zutat, keine Spinne, kein verschüttetes Glas, keinen Totenkopf, rein gar nichts, was dem Kunstfreund hilft, seine sture Sammeltätigkeit zu verstehen.

Einen Hinweis - zwar reichlich theoretisch - gibt Guillaume Bijl doch. Kunst sei Imagination, meint er, der Ausstellungsraum ein Ort des Unwirklichen. Dahinein stelle er Wirkliches. "Transformationsinstallationen" nennt er seinen "Auktionssaal", sein "Komponisten-Sterbezimmer" und seine "Concise History of Prehistoric Man" im Kunstverein Hannover. Die Kunstfreunde danken für die Information und reagieren, wie sie sollen: überrascht, erstaunt, abgrundtief irritiert über dieses "Wirkliche im Unwirklichen". Über die abgewetzten Plüschmöbel, den mickrigen Philodendron und die spießige Bildergalerie im Komponistenzimmer.