Kunst? Schön und gut. Florenz ist reich gesegnet damit. Doch jetzt hat sich die Stadt auf einen riskanten Dialog eingelassen. Bis zum 15. Dezember widmet sich die erste Biennale der Beziehung zwischen Kunst und Mode.

Selbstbewußt gibt sich die Mode in Gesellschaft von Renaissance und Gegenwart. Über 20 historische Schauplätze und Museen verteilt, werden Installationen von 39 Designern gezeigt, entweder in direktem Nebeneinander mit den Sammlungen oder als Zusammenarbeit mit den bildenden Künstlern, als Sammelausstellung in der Halle eines stillgelegten Bahnhofs. Verantwortlich dafür zeichnen Ingrid Sischy, New Yorker Chefredakteurin von Interview, und Germano Celant, der Kurator des Guggenheim-Museums.

Ausgelotet werden die Grenzen von Geschlecht und Universum. Manchen, wie beispielsweise Calvin Klein, Armani, Gucci und auch Franco Moschino, gelingt dies vorzüglich, während andere wie Yohji Yamamoto und Vivienne Westwood so recht über eine konventionelle Präsentation nicht hinauskommen. Vorherrschend variiert wird der menschliche Körper, von den Gipsfiguren eines Kiki Smith über die Pornokitsch-Mannequins von Jake und Dinos Chapman bis zu dem verwirrenden Riesenmodel des amerikanischen Künstlers Charles Ray. Immer wieder strapaziert werden Motive wie Augen, Augäpfel und Spiegel.

Immer mehr Modemacher sind nur Aushängeschild ganzer Industrieunternehmen die Kreativteams von Gucci und Moschino präsentieren sich gern als individuelle Künstler. Da fragt sich, wer die Installationen in Wahrheit schuf - der Meister, die Teams dahinter? Luigi Settembrini, der an der Seite von Sischy und Celant die Co-Regie führt, weiß dazu mitzuteilen, daß die meisten Designer ihre Einladung äußerst ernst nahmen und ungewöhnlich tatkräftig ans Werk gingen. Für sie bot sich die Gelegenheit, die Grenzen ihres Metiers zu überschreiten.

Donna Karan, vom Erfolg verwöhnte New Yorkerin, ließ es sich nicht nehmen, sofort nach Florenz zu fliegen, Maß zu nehmen und Skizzen anzufertigen. Issey Miyake jettete gleich dreimal vor der Eröffnung nach Florenz. Calvin Klein, dessen kühle Installationen aus sargähnlichen Edelstahlhülsen mit minimalen Arrangements seiner Produkte das Thema Mode melancholisch deuten, nahm es mit dem kleinsten Detail seines Werks akribisch genau. Überdies gibt Settembrini preis, daß sich die sonst so arroganten Modeleute hier eher wie junge Künstler gaben - sensibel, empfindlich und auffallend dankbar, überhaupt dabeisein zu dürfen. Mehr Routine zeigten die Künstler ihrerseits. Einer der jüngsten darunter ist der 32jährige Deutsche Oliver Herring, dessen Skulpturen aus Mylar schon in New York bei Exit Art und im Museum of Modern Art Anklang fanden.

Zwei Skulpturen von Herring werden im Forte di Belvedere im Rahmen eines Querschnitts jener Künstler des 20. Jahrhunderts gezeigt, die Mode und Kleidung in ihr Werk einfließen ließen, von den russischen Futuristen bis zum Filzanzug von Joseph Beuys und den Gewändern von Jan Fabre. Herring bildet ein Team mit Rei Kawakubo von Comme des Garçons. Sein großes Laken aus Mylar bedeckt sieben Mäntel der Japanerin, ausgebreitet auf dem Boden eines kahlen, halbdunklen Raums.

Für einen jungen Künstler wie Herring bilden der Glanz und das üppige Budget der Biennale (neun Millionen Mark) einen starken Kontrast zum kargen Ambiente, an das er sonst gewöhnt ist. Ihm selbst gefiel die Installation des Modedesigners Martin Margiela im Museum Bardini am besten. "Bei der Biennale versuchen Modeschöpfer, Kunst zu machen, und das klappt nicht", meint Herring. "Margiela enthüllt statt dessen einfach, wie man Kleider macht, den Prozeß selbst. Man erlebt, wie schön ein Schnitt sein kann."