Es war in den chaotischen Siebzigern, als junge Politrocker einen heißen Tip an die Außenwand der Frankfurter Börse sprühten: Seid realistisch, versucht das Unmögliche. Einem aus den Reihen der Sprayer hat die Losung zwar nicht Reichtum, aber immerhin Ruhm gebracht: Josef Fischer, genannt Joschka. Ein Vorbild, auch für Sparer und Aktionäre. Der ausgeprägte Sinn dieses Mannes für das Reale ist bares Geld wert.

Am Anfang steckte zwar auch Fischer noch voller schöner, guter und wahrer Ideale. Aber im Januar 1981 sagte er mit einem Artikel im Pflasterstrand den Verdammten dieser Erde kurzerhand Lebewohl.

Er beschloß Realo zu werden.

Viele Anleger wären gut beraten, wenn sie es ihm gleichtäten.

An der Börse haben nämlich nur Realos eine Chance. Jene, die weder an Idealen noch an Aktien kleben. Die Hartgesottenen eben, die alles und jeden verkaufen, wenn sie so einen Gewinn realisieren können.

Denn nur ein realisierter Gewinn ist wahrer Profit. Joschka und die 68er wissen das aus mühsamem Marx-Studium. Aber viele Anleger scheinen es nicht begreifen zu wollen. Selbst die 87er nicht, die den großen Oktober-Crash am eigenen Depot erlebt haben. Statt zu realisieren, begnügen sie sich allmorgendlich mit dem Kursteil der Frankfurter Allgemeinen. Wie die Kinder freuen sie sich darüber, wenn der Kurs ihrer Aktien um Zweimarkfünfzig in die Höhe geht.

Und sie denken, sie seien über Nacht um Zweimarkfünfzig je Aktie reicher geworden. Welch ein folgenschwerer Irrtum.