Dieses Buch blättert man am besten mit gefütterten Handschuhen durch. Die großformatigen Farbphotos im Bildband Eisige Welten (Photos Bernhard Edmaier, Text Angelika Jung-Hüttl BLV-Verlag, München 1996 160 Seiten, 98 Mark) lassen dem Betrachter das Blut in den Adern stocken: Vor den Fronten des Hubbard-Gletschers in Alaska und des Perito-Merino-Gletschers in Patagonien hat der Photograph Bernhard Edmaier geduldig ausgeharrt bis zu den spektakulären Augenblicken, in denen die weißen Giganten kalben. Dann werden von den vorrückenden Gletschern riesige Eistürme in den Ozean geschubst.

Edmaiers Aufnahmen sind Orgien aus Weiß und Blau, in scharfes Licht gesetzt von der tief stehenden Sonne der Polarregionen.

Zuweilen lassen die Aufnahmen vergessen, wie unnahbar der "Kosmos der Minusgrade" in Wahrheit ist. Der britische Polarforscher Robert Scott hatte auf seinem letzten, für ihn und seine Begleiter tödlichen Wettrennen zum Südpol 1912 noch Schwarzweißphotographien hinterlassen, die ein unmittelbares Gespür für Kälte vermitteln.

Die Verkaufserfolge der Polarromane "Die Entdeckung der Langsamkeit" von Sten Nadolny und "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" von Peter Höeg dokumentieren ein wachsendes Interesse an den unwirtlichen Extremregionen unseres Planeten. Angelika Jung-Hüttls Texte zu Edmaiers grandiosen Photographien liefern gleich den neuesten Stand der Wissenschaft mit. Die Autorin macht anschaulich, wie das Eis mit beharrlicher Langsamkeit Täler ausschürft, Gestein über große Entfernungen transportiert und - in den Gebirgsgletschern - Flüsse und Seen speist.