Die Grünen haben fast unbemerkt eine Schwelle überschritten. Joschka Fischer hat ein Stück Privates präsentiert, erst im stern mit eindrucksvollen Photos, dann in der Süddeutschen: die Diät, den aktuellen Kilostand, ein paar Kleinigkeiten zum Verhältnis von Mensch und Politiker und zum Scheitern seiner Ehe.

Ein Novum im grünen Mileu. Aber Brücken finden sich immer: "Das Private ist politisch", lautete ein Bonmot aus den 68er-Zeiten.

Und bei dem grünen Fraktionschef stimmt es plötzlich, wenn auch auf eher merkwürdige Weise: Ein privat bedingter Ausfall Fischers wäre einer politischen Katastrophe für seine Partei ziemlich nahegekommen.

Hinter wem hätten die Grünen dann ihren Stillstand verbergen können?

An die umgekehrte These freilich, daß Fischers psychische und physische Runderneuerung auch die Partei aus ihrem Dilemma befreien könnte, will man nicht recht glauben.

Die Grünen haben ihr Kernthema verloren. Die Ökologie fristet auch bei ihnen nur noch ein Nischendasein. Die Partei profitiert zwar weiter vom öffentlichen Glauben, bei ihr seien die Belange der Umwelt am besten aufgehoben. Aber schon die Frage, wer eigentlich in der Partei ökologische Politik verkörpere, bleibt ohne Antwort.

Auch die Grünen bestätigen heute die allgemeine Vorstellung, in Zeiten globaler ökonomischer Konkurrenz sei mit Ökologie keine Politik mehr zu machen. Besondere Anstrengungen, die notwendig wären, gegen den Zeitgeist anzugehen, gibt es nicht. Die anderen Parteien können die Ökologie aus ihrem Themenkatalog verdrängen.