Es soll der ganz große Wurf werden. Nicht nur einfacher und gerechter soll es in Deutschland zugehen, wenn in gut zwei Jahren die große Steuerreform in Kraft tritt vor allem wollen die Finanzpolitiker früher gemachte Fehler ausbügeln und den Bürgern in Zukunft weniger schamlos in die Taschen greifen. Mit dem Slogan "Weniger Steuern - mehr Arbeitsplätze" preisen die Christdemokraten das Vorhaben an. Ohne Tabus soll das Steuersystem samt seiner Privilegien auf den Prüfstand, verkündet der Bonner Finanzminister Theo Waigel.

Schöne Aussichten.

Massenarbeitslosigkeit und härtere Standortkonkurrenz zwingen die Finanzpolitiker zu einer Operation, vor der sie seit Jahren zurückgeschreckt sind: ihren Beitrag für die Zukunftsfähigkeit des Landes zu leisten. Zu Recht sind deshalb die Erwartungen hoch - zu hoch, wie sich jetzt schon zeigt. Denn mit einem Tabu wollen die Finanzpolitiker offenbar partout nicht brechen: Eine ökologische Komponente soll das Steuersystem auch in Zukunft nicht haben.

Weil aber große Steuerreformen nicht beliebig häufig auf die politische Tagesordnung gesetzt werden können, droht eine historische Chance verpaßt zu werden.

Das Etikett "zukunftsfähig" verdient das Steuersystem so lange nicht, wie nicht auch der Verbrauch von Umwelt und Ressourcen besteuert wird. Welches sind denn, abgesehen von der weltweit grassierenden Arbeitslosigkeit, die großen Bedrohungen einer immer noch rasant wachsenden Weltbevölkerung? Überfischung der Weltmeere, Verlust von fruchtbarem Boden, der sich beschleunigende Artenschwund und die Aufheizung der Erdatmosphäre mit Treibhausgasen - Zeugnis nach wie vor rücksichtslosen Wirtschaftens auf Kosten der Natur.

Und wie, wenn nicht auch mit den Mitteln der Steuerpolitik, soll diesen Herausforderungen begegnet werden?

Vor kurzem wußten es die Mächtigen noch, nachzulesen in ihren Sonntagsreden und den Grundsatzprogrammen der Parteien. Das Steuersystem ökonomisch und ökologisch neu zu orientieren, versprachen die Christdemokraten beispielsweise vor zweieinhalb Jahren. Nun scheint die Erkenntnis nicht mehr zu gelten. Obwohl das Abgabensystem hierzulande ökologisch blind ist, will die Regierung nicht einmal einen Einstieg in die Ökosteuern wagen - und der Protest von Opposition und Gewerkschaften ist kaum vernehmbar. Selten zuvor hat sich die politische Elite so sang- und klanglos von einem zentralen Thema verabschiedet. Vor allem die Lobby der großen Energieverbraucher hat es geschafft, alle politischen Bekenntnisse zur Integration des Umweltgedankens in das Steuersystem als wirtschaftspolitischen Frevel zu brandmarken.