Jerusalem

Benjamin Netanjahu und seine Entourage saßen bereits im Flugzeug nach Washington, als ihnen auffiel, daß einer fehlte. Dan Schomron, in seiner Funktion immerhin Vorsitzender der israelischen Verhandlungskommission mit den Palästinensern, war auf der Einladungsliste zum Gipfeltreffen schlicht vergessen worden. So erhielt er einen Anruf von unterwegs und wurde gebeten, schleunigst nachzukommen.

Dies ist nur einer von vielen Schnitzern der neuen Machthaber in Jerusalem. Genüßlich greifen die israelischen Medien diese Pannen auf, die ein denkbar schlechtes Licht auf die innere Verfassung der israelischen Regierung werfen.

Sie stand von Anfang an im Ruch des Amateurhaften - als sei Benjamin Netanjahu von seiner Wahl zum Ministerpräsidenten selbst am allermeisten überrascht worden. Vor allem aber seit der verhängnisvollen "Tunnelaffäre" hat die Kritik über fehlerhafte Entscheidungsprozesse noch zugenommen.

Der Regierungschef ist dafür bekannt, am liebsten alleine zu entscheiden, und er hat sich mit einem Beraterkreis umgeben, der sich auf seinem erklärten neuen politischen Kurs eher als ein Handicap erweisen könnte.

Diese Berater sind ausschließlich Leute, die sich seit 1993 einen Namen als Gegner des Osloer Abkommens gemacht haben. Ihnen fehlt so gut wie jede Erfahrung im Umgang mit Palästinensern. Das gilt vor allem für den 42jährigen außenpolitischen Chefberater Dori Gold. Geboren und aufgewachsen in Amerika, promoviert in Politikwissenschaften an der Columbia-Universität, wanderte Dori Gold erst 1980 nach Israel ein. Dort arbeitete er am prestigeträchtigen Jaffee Center für Strategische Studien. Sein Spezialgebiet: die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Nahen Osten.

Der Mann mit Schnurrbart und Kippa hatte es in der Vergangenheit geschafft, zahlreiche Artikel über Sicherheitsfragen in der Region zu verfassen, ohne jemals das Wort Palästinenser zu erwähnen.