Noch vor Jahresfrist traute man der FDP nicht die Kraft zu, einen Schnürsenkel zuzubinden. Mittlerweile scheint die Partei vor Muskeln kaum noch geradeaus gehen zu können.

Deshalb schwärmt sie jetzt auf die Felder aus.

"Wir werden das Feld, auf dem wir spielen, erweitern", vertraute FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle am Wochenende der FAZ an.

Neben der Wirtschaft sollen fortan auch andere Felder gepflegt werden: das für die Bildung, das für die Ausländer und - das für die Unterprivilegierten. Die Liberalen, versicherte Westerwelle, "setzen ihre ökonomische Kompetenz gerade auch für die Schwächsten ein".

Zum Wundern bleibt keine Zeit. Kaum hat man sich das passende FDP-Wahlplakat ausgemalt (Westerwelle schiebt seinen Aktenkoffer einem schlafenden Obdachlosen zärtlich unter das Haupt), ist schon ein neues FDP-Feld entdeckt: Es liegt in Nordrhein-Westfalen und heißt Garzweiler zwo.

Zwar hatte sich die Düsseldorfer FDP-Fraktion - als es sie noch gab - gegen den geplanten Braunkohlentagebau ausgesprochen. Aber jetzt, wo die rotgrüne Landesregierung an dem Projekt zu zerbrechen droht, wittert Möllemanns Landesverband die Chance von Neuwahlen.

Was für ein Ausblick: In Düsseldorf firmiert die Anti-Kohle-FDP als Kumpelpartei, während die Bonner Leistungsträger-FDP um Sozialhilfeempfänger wirbt. Nichts ist eben unmöglich, wenn es gilt, das Feld der Felder zu erschließen: die Macht.