Am 7. März dieses Jahres brach in Irland ein Sturm los. Dick Spring, der Außenminister der Republik, sprach in der Sekundarschule des Ursulinenordens in Waterford anläßlich einer von Schülerinnen organisierten Menschenrechtswoche. Gegen Ende seiner Rede kam er auf eine verdrängte Episode der jüngeren irischen Geschichte zu sprechen: Akten in seinem Amt würden belegen, daß zwischen 1948 und 1962 mindestens eineinhalbtausend uneheliche Babies "ihren Müttern weggenommen und in die USA exportiert wurden".

Der Minister setzte hinzu: "Erst jetzt, im Rückblick, gewärtigen wir, wieviel Schmerz und Leid jungen, verängstigten Frauen und letztlich vielen ihrer Kinder damals angetan wurde."

Dick Spring sagte nicht, wer den Müttern ihre Kinder weggenommen hatte. Aber jeder wußte, wer gemeint war. Die Nonnen.

Erst der Bischof, dann die Priester, jetzt die Nonnen. Seit dem vor vier Jahren aufgedeckten Skandal um den Bischof von Galway, der einen Sohn in die Welt gesetzt hatte und sich jetzt in einem Kloster in Südamerika versteckt hält, wird die katholische Kirche mehr und mehr in die Enge getrieben. Die Irish Times nennt die kollektive Abrechnung mit der "dunklen, bislang totgeschwiegenen Vergangenheit Irlands" eine "schmerzhafte Läuterung".

Kaum war das Geröll des Bischofsskandals zur Ruhe gekommen, löste die Affäre des jahrelang von der Kirche gedeckten, pädophilen Priesters Brendan Smyth eine Lawine von Enthüllungen über Gottesmänner aus, für die Kinderschändung wie die Beichte zum religiösen Alltag gehörte.

Und nun haben die Nonnen ihre Unschuld verloren.

Allen voran die Irish Sisters of Charity. Über ein Drittel der damals in die Vereinigten Staaten exportierten Kinder gingen durch ihre Hände.