Das Zögern am anderen Ende der Telephonleitung ist hörbar. Autozulieferer sind meist Mittelständler und traditionsbewußt; man läßt sich nicht gerne in die Karten schauen. Zumal in so harten Zeiten wie diesen: Vier Jahre härteste Umstrukturierungen liegen hinter der Branche - und noch immer ist für viele kein Ende des Kampfes abzusehen. Über sich reden mögen allenfalls jene wenigen, die glauben, sie hätten es geschafft.

Peter Butz ist dann doch zu einem Gespräch bereit. Er ist - mit einem Anteil von siebzig Prozent - geschäftsführender Gesellschafter der Peter Butz GmbH & Co. KG, die im rechtsrheinischen Langenfeld Kopfstützen und andere Bauteile für das Innere von Autos produziert. Typisch für die Branche sei er sicher, räumt Butz ein. "Ich sage mal: Hier ist nichts mehr, wie es einmal war." Kann er also aufatmen? "Schön wär's. Es geht rasant weiter. Das hier ist eine Firma auf Rädern."

Das Mutterhaus der Firma Butz im Industriegebiet am Ostrand der Stadt ist die Solidität selbst, ein Funktionsbau aus der Nachkriegszeit ohne jeden repräsentativen Anspruch. Wer zum Chef will, kommt an einer grellbunten Bilderfolge des zairischen Malers Chéri Samba vorbei. Sie erzählt die Moritat vom bösen Ende eines Diebs. Der Mann hat seinen Nachbarn bei der Polizei denunziert, nur um in Ruhe dessen Eisschrank und sein Auto stehlen zu können. Doch die Strafe folgt sofort: Die Polizisten verprügeln ihn und verbrennen seine Habe; am Ende weint er neben einem Haufen Asche. Auch der Unternehmer fischt eine Bilderfolge aus seiner Mappe: die Geschichte der Revolution im Hause Butz in fünf mal sechs selbstgekritzelten Piktogrammen. "Erdbeben eins bis vier", so nennt es der Autor.

"Das war die Ausgangssituation." Peter Butz zeigt auf ein Quadrat oben links in seiner Zeichnung: Zwei Köpfe wenden sich dort voneinander ab, darunter die Geburtsjahre 1912 und 1940: "Rechts bin ich. Der andere, der nach hinten schaut, ist mein Vater."

Der Firmengründer hatte nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft ganz klein angefangen, als Verkäufer und Entwickler von Autozubehör. Dann kam das Wirtschaftswunder: Alle Deutschen wollten schöne, schnelle und sichere Autos haben. Und die Eugen O. Butz GmbH wurde im Fahrtwind des Booms mitgerissen. "Wer hätte gedacht, daß mal jedes Auto vier Kopfstützen haben würde? Die Firma bekam einen Riesenauftrag nach dem anderen, und der Vater zog immer neue Werke hoch, eins größer und schöner als das vorige."

Den einzigen Erben hatte der Vater, nach einer kaufmännisch-technischen Ausbildung, mit 25 ins Geschäft beordert. Freiwillig? Peter Butz setzt zu einer Antwort an - und verkneift sie sich dann doch. "Nein . . . nein. Darüber muß man nicht mehr reden. Außerdem war ich immer ein sehr lieber Sohn." Er klopft - basta! - mit dem Stift auf die Tischplatte und resümiert: 1991 machte Butz senior Umsätze von 150 Millionen Mark, beschäftigte knapp 800 Leute in vier Fabriken und war weit über Langenfeld hinaus ein angesehener Mann.