Mehr und mehr Obdachlose auf den Straßen - der Unmut vieler Bürger wächst. In Hamburg hat die Innenbehörde gerade ein Strategiepapier gegen "die drohende Unwirtlichkeit der Stadt" erarbeitet. Wer in der Fußgängerzone die Hand aufhält oder sein Nachtlager am U-Bahn-Schacht aufschlägt, soll künftig mit Strafen rechnen müssen: Platzverweis, Bußgeld, Polizeigewahrsam. Die ZEIT befragte dazu vier Hamburger Bettler: Jürgen Gladen, 37, aus Essen, seit einem halben Jahr arbeits- und obdachlos. Peter Maschalleck aus Mainz, 37, gelernter Maler, bis 1994 wegen Diebstahls und Einbruchs im Gefängnis, nun in Deutschland unterwegs. Das Ehepaar Renate Scheppeit, 49, und Rüdiger Scheppeit, 41, Verkäufer der Obdachlosenzeitung Hinz & Kunzt, seit kurzem in einer von der Stadt angemieteten Pension untergebracht.

ZEIT: Obdachlose und Bettler sollen aus den Innenstädten vertrieben werden . . .

Renate Scheppeit: Habe ich gehört. Hat in der Zeitung gestanden. Finde ich eine Schweinerei.

Jürgen Gladen: Ich glaube, das sind die großen Konzerne und Kaufhäuser. Die wollen die Leute nicht vor ihrer Tür sitzen haben.

Rüdiger Scheppeit: Ja, weil es längst zu viele Bettler gibt.

Gladen: Wenn der Sicherheitsdienst von dem Kaufhaus kommt und den Bettler vertreibt, sitzt keine zehn Minuten später ein neuer da.