Fakten, Fakten, Fakten!? Eine Zeitlang war das die erfolgversprechende Medienparole, man erinnert sich noch dunkel. Aber Helmut Kohl steht erfolgreich über den Fakten, und die Medien helfen ihm heute kräftig dabei.

Besonders das Fernsehen entrückt mit Lust den Kanzler allen grauen Alltagsrealitäten. Man bedenke: Früher hieß es, linke Kameraleute hätten einen Wahlsieg Kohls gegen Schmidt verhindert. Sind jetzt lauter rechte Kameraleute am Werk?

Nein! Am Werk war nach Alfred Biolek (ARD) jetzt Hans Meiser (RTL), der den "Rekordkanzler" im Kanzleramt heimsuchen durfte. Hinzu kommt die Vernissage im Haus der Geschichte, die der stern, der früher nicht gerade Kohl adorierte, mit den stärksten Kanzlerphotos Konrad R. Müllers veranstaltet. Offen gestanden, jetzt fehlt nur noch die Begegnung mit dem Allergrößten, mit Marcel Reich-Ranicki. Bitte! Erst dann hätte man genau die beiden zusammen, die ihre wahre Berufung, das Entertainment, erst in später Stunde entdeckten. Biolek? Meiser? Es reicht nicht. Wir wollen den Gipfel! MRR trifft den Mann, der Biolek ins Gesicht sagte, er könne überall einschlafen, auch hier bei Ihnen, gleich.

Hans Meiser: Er hat Kohl angekumpelt wie jedermann. Also: "Auf einmal bist du verantwortlich für das ganze Land. Hat man da nicht schon mal Sorgen?"

Natürlich!

Natürlich, das ist überhaupt Kohls allerliebste Erwiderung. Er hat Meiser und uns die Blutbuche gezeigt, die für ihn angepflanzt wurde im Park. Und das legendäre Warmwasseraquarium auch, das er schon "als Bub" haben wollte. Irgendwie hat er alles bekommen, was er sich wünschte als Bub. Inklusive des kleinen Andenkens von Mutter Theresa und der vielen Medaillen am Schreibtisch im Amt. "Darf ich aufräumen, Herr Bundeskanzler? Die muß anders liegen." Der Moderator, Meiser, sorgt ganz nebenbei für die natürliche Ordnung der Dinge, es kann ja nicht schaden, dem Rekordmenschen ein bißchen dienlich zu sein. Sechs vierzehnjährige Mädchen und Jungen befragen unter seiner Obhut Kohl. Geboren sind sie in dem Jahr, in dem er Kanzler wurde. Auch das hat Kohl gemeistert. Wie finden Sie uns? Putzig! Bloß, als einer von den Putzigen, noch dazu aus dem Osten, wissen wollte, warum er voraussichtlich nach Schulabschluß keine Lehrstelle erhalte, herrscht der Befragte ihn an: Deine Zahlen sind falsch. Warum machst du dir Gedanken, warum läßt du dir das einreden? . . . das ist dein Problem. Fast hätte der Kleine den "Staatskanzler" (Augstein) aus der Fassung gebracht.