Fade Gerichte, gesalzene Preise und billiger Schrott für Rucksacktouristen: Auf dem Weg nach Florenz bleibt dem Reisenden wirklich nichts erspart. Dafür kann man in der Stadt am Arno mittlerweile sogar das Beste vom Schafbock auf deutsch einkaufen

Das Meer war blau, die Herbstsonne tat ihr Bestes. Aber in Portofino wollten sie uns nicht. Auf dem halben Weg zwischen Santa Margherita Ligure und Portofino hielt Polizei die Kavalkade der Touristen an. Das Dutzend Autos vor uns wartete geduldig, hinter uns bildete sich eine lange Schlange: "In Portofino ist die Parkplass full!" Also wendeten wir mühsam, und anstatt den fashionablen Hafen zu begaffen, besichtigten wir unser Zimmer im Hotel "Imperiale Palace". Auch fashionable, das Haus, aber abgesehen vom Preis, könnte es auch ein Zimmer im Asylantenheim sein. "Wir haben", sagte der Empfangschef mit falschem Bedauern, "nur noch eine Junior-Suite frei."

Sie war klein und häßlich und kostete 690 000 Lire. Wenn es in diesem Haus so etwas wie eine Senior-Suite geben sollte, hätte sie wahrscheinlich genügend Kleiderbügel und ich nicht das genügende Kleingeld. "Laß uns wenigstens anständig essen gehen", tröstete ich die Signora, die nicht wußte, wohin mit ihren Blusen. "Der Veronelli nennt hier ein Lieblingsrestaurant: ,La Stalla'."

Wir nahmen ein Taxi für 30 000 Lire, das brachte uns auf einen Hügel zu einem schauerlich überdekorierten Ausflugslokal, wo die Weißweine in kleinen elsässischen Gläsern (die mit dem grünen Stiel) serviert wurden und der Wirt uns vor Herzlichkeit gar nicht wieder gehenlassen wollte. Die Hauptgerichte (einmal Fisch, einmal Fleisch) waren trocken und fad. Dafür war die Rechnung gesalzen. Ich gebe zu, daß das Frühstück in der Sonne auf der Terrasse des "Imperiale Palace" eindrucksvoll war, weil es, wie auch der fabelhafte Blick aufs Mittelmeer, nicht extra berechnet wurde.

Zum Mittagessen fuhren wir nach Viareggio, wo uns im Restaurant "Romano" sechs oder sieben Gänge serviert wurden. Alles kleine Portionen, und alle bestanden aus Scampi und Fischfilets mit Tomatenkonkassee und Olivenöl. Mal waren die Scampi gepfeffert, mal lagen Nudeln neben den Fischen oder Pilze, mal waren die Nudeln unter sich. Das alles schmeckte der Signora so gut, daß sie ihr Heimweh vergaß. Dazu tranken wir eine Cervaro 1989 Magnum, und darüber vergaß ich beinahe, daß wir eine Verabredung zur Weinprobe auf einem Gut bei Radda hatten. Doch wir kamen noch rechtzeitig, weil auch die anderen lange zu Mittag gegessen hatten.

Die Weinprobe verlief wie alle Weinproben mit Freunden: laut, lustig und exzessiv. Außerdem lernten wir eine selbstbewußte Version der Gerbsäure kennen, die durch den Verschnitt von Cabernet Sauvignon und Sangiovese entsteht und nicht, wie wir zunächst vermuteten, durch den Zusatz von zehn Kilo Sägemehl pro Faß.