Allein sein Dach. Ein Variodach, aus Eisen und Stahl geschaffen, das sich aber in Bewegung setzt, sobald man eine kleine, rote Taste drückt. Dann beginnen Hydraulikmotoren zu surren, die genießerisch langsam den Himmel freigeben. Seitenscheiben sinken hernieder, und am Kofferraum öffnen sich Schächte, auf die das Variodach zuschwebt, um sich in deren Tiefe alsbald selbsttätig abzulegen. Ein technisches Wunderwerk?

"Ja", sagt Ludwig Scheuer, 55, aus Bad Neuenahr. Als Journalist scheut er die Öffentlichkeit nicht, spricht offen über seine Erfahrungen. An herbstlichen Sonnentagen wie diesen ist Scheuer nur über Mobiltelephon zu erreichen, gerade macht er einen Ausflug Richtung Nürburgring. Unterwegs ist er mit einem, ja, Mercedes SLK Kompressormotor, silberfarben, Klimaanlage, Sitzheizung ("braucht man bei Leder"). Weil es das Wetter durchaus zuläßt, hat er soeben die rote Taste betätigt - "meine Copperfield-Nummer" - Scheuer sitzt nun im Freien.

Seinen SLK ("sportlich, leicht, kurz") habe er im Oktober 1995 bestellt, "blind, ich hatte Vertrauen". Am 13. September war es soweit. "Ich war einer der ersten fünf in Deutschland, die sich einen abholen konnten", nimmt Scheuer an. Seiner Gefühle auf dem ersten Kilometer, er mußte erst mal durch die Innenstadt von Koblenz, schämt er sich nicht. "Ich war irgendwie zufrieden - und hab' auch mal geguckt, ob die anderen nach mir gucken."

Glücklicher Ludwig Scheuer. Im Herbst 1996 gibt es Menschen in Deutschland, denen es deutlich schlechter geht. Sie haben noch keinen SLK und so schnell werden sie auch keinen bekommen. Der Engpaß ist da, Mercedes' neuer Roadster läßt auf sich warten. "Ich muß Ihnen eine betrübliche Mitteilung machen!" Wie oft hat Herr Lüdemann, SLK-Verkäufer in Hamburg, dieser Tage mit solchen Worten Kundengespräche bereits in sehr frühem Stadium belasten müssen. "Lieferung frühestens erstes Quartal 1999!" Die Stimmung ist mies.

Die Medien, man muß es selbstkritisch anmerken, sind dabei nicht frei von Schuld. Sie ließen kaum eine Gelegenheit aus, die Atmosphäre im Lande anzuheizen. "Das Fahrwerk ist nicht hart, aber so straff, daß ich, mit dem Auto verschmelzend, gleichsam auf der Straße klebe", lobte ein Tester in der ADAC-Motorwelt. Und auto motor und sport sprach, das Variodach im Blick, von einem "Meisterstück ingeniösen Geistes". Lediglich das schwarze Windschott wurde, da an ein "verlorenes Stück Reizwäsche" erinnernd, als zu klein empfunden.

So werden natürlich Begehrlichkeiten geweckt. Zumal da die Welt ("Sechs Gründe, warum der SLK ein Traumauto ist") am 13. August auch dem Preis des SLK Anerkennung nicht versagte. "Mit 52 900 Mark für die Zweiliterversion (136 PS) und 60 950 für den Kompressor stellt Mercedes den SLK auf ein durchaus erschwingliches Niveau." Nun will ihn eben jeder haben.