Sammeln Sie auch? Natürlich, besonders jetzt, im Herbst. Lothar geht immer in die Brombeeren, dahin mögen wir ihm nicht folgen.

Aber diese mahagonifarbenen Kastanien, die, frisch und glänzend der grünen, weiß ausgeschlagenen Stachelhülle entsprungen, im Gras liegen. Früher brachte man sie zu Hagenbecks Tierpark, im Sack, für ein paar Groschen. Jetzt steckt man die schönsten in die Jackentasche.

Also noch mal von vorn. Sammeln Sie auch? Nein. Wir lassen sammeln.

Das heißt, wir haben uns zwar an Bildern und anderen Kunstwerken gefreut (oder uns über sie geärgert), haben Ausstellungen gesehen, sind über Kunstmessen geschlendert. Aber gesammelt haben andere.

Und, wie sich über die Jahre hinweg immer öfter herausstellt, offensichtlich für die Allgemeinheit. Also für uns. Also haben wir sammeln lassen. Und können zur Zeit zum Beispiel einige "Sammlungsblöcke" aus dem Besitz von Anna und Josef Froehlich sehen, die in der Tübinger Kunsthalle, in der Staatsgalerie und im Württembergischen Kunstverein in Stuttgart flächendeckend gezeigt werden. Oder in der Kunsthalle Baden-Baden die Arbeiten von Richter, Polke und Rainer aus der Sammlung von Frieder Burda betrachten. Die Liste, die sich fortsetzen ließe, kulminiert am 1. November mit dem Megaknall der Eröffnung des Hamburger Bahnhofs in Berlin, nein, nicht für den Transrapid, sondern für die gewaltige Sammlung von Erich Marx, eine Dauerleihgabe.

Unvergessen der Glückssatz des Kölner Museumsdirektors Gert von der Osten im phantastischen Katalog "Kunst der sechziger Jahre".

"Der Sammler geht voran", hieß es da, 1969, und der Sammler Ludwig war vorangegangen. Er hatte sich begeistern lassen, er hatte gekauft, er machte seinen Besitz öffentlich. Andere große Sammler sind hinzugekommen, in Bremen gibt es in der Weserburg ein Museum, in dem Kunst aus elf verschiedenen Sammlungen gezeigt wird, die sich die Bremer Kunsthalle nie leisten kann und konnte.