Trotzig schallte es aus mehr als tausend Kehlen durch die Leipziger Messehalle: "Ein feste Burg ist unser Gott." Die Anhänger des Deutschen Landbundes sammelten sich zum Kampf gegen den Feind: ein mächtiges Bündnis aus Ost-Genossenschaften, ehemaligen Agrarbonzen, Deutschem Bauernverband (DBV) und den Landwirtschaftsministern der neuen Bundesländer. Dieter Tanneberger, der Hauptgeschäftsführer des Landbundes, gab die Losung aus: "Der Kampf, den wir derzeit zu führen haben, ist ein zutiefst geistiger Kampf gegen die Mächte des ,alt bösen Feindes`, wie es in dem eingangs gesungenen Choral von Martin Luther heißt."

Im Landbund haben sich überwiegend die kleinen Bauern aus Ostdeutschland zusammengetan, und sie wollen endlich zu ihrem Recht kommen.

Immer seien die Kleinen die Dummen gewesen: erst bei der als "sozialistischer Frühling auf dem Dorf" gepriesenen Zwangskollektivierung Ende der fünfziger Jahre, dann bei der Auflösung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) nach der Wende. Und jetzt, so die Protestanten, wo Bonn endlich das geschehene Unrecht reparieren will, legen sich die von alten DDR-Kadern geleiteten landwirtschaftlichen Großbetriebe quer - mit dem scheinheiligen Argument, es gelte den Frieden in Ostdeutschlands Dörfern zu erhalten.

Daß die Bauern mit ihren Familienbetrieben zwischen Ostsee und Erzgebirge gerade jetzt auf die Barrikaden gehen, hat seinen guten Grund. In den nächsten Wochen entscheidet der Bundestag über eine Novellierung des Landwirtschaftsanpassungsgesetzes. Dabei sollen die Landwirte besser entschädigt werden, die nach der Wiedervereinigung übers Ohr gehauen wurden. Denn daß es nach der Wende zu Unrechtmäßigkeiten kam, bestreitet niemand. Genausowenig wie die Tatsache, daß dahinter Manipulationen der LPG standen.

Mit dem Ende der DDR wurden diese staatlichen Muster- und Monsterbetriebe meist in eine GmbH oder Genossenschaft umgewandelt. Teilhaber, die lieber als "Wiedereinrichter" ihren eigenen Hof betreiben wollten, erhielten ihren Anteil ausbezahlt. Zu skandalös niedrigen Werten, wie sie nicht erst heute klagen. In der Tat rechnete sich so manche Ex-LPG arm. Nichts einfacher als das: Das Vermögen, von der Kuh über den Traktor bis zu Stall und Scheune, wurde gezielt niedrig angesetzt, dazu kamen unangemessen hohe Rückstellungen.

Am Ende blieb scheinbar nicht viel zum Verteilen übrig, und die ausscheidenden Genossen wurden mit bescheidenen Abfindungen weggeschickt.

Sie sahen sich bald als Opfer alter Seilschaften, die auch in den neuen, prosperierenden Großbetrieben das Sagen hatten. Viele zogen gegen die "roten Barone" vor Gericht, nur wenige erreichten dabei eine nennenswerte Aufbesserung ihrer schmalen Abfindung.