STUTTGART. - Wenn am kommenden Sonntag die Bürger zur Wahl ihres Oberbürgermeisters gerufen werden, dann ist schon jetzt ein Rekordergebnis sicher: Noch nie war in einer deutschen Stadt die Zahl der Bewerber so groß. Sechsunddreißig Männer und zwei Frauen wollen Manfred Rommel nachfolgen, sie alle stehen am 20. Oktober auf dem Wahlzettel.

Denn in Baden-Württemberg gilt bei der Wahl der Rathauschefs: Wer will, der darf - Postkarte genügt. Einzige Bedingungen: Die Bewerber müssen älter als 25, jünger als 65 und Bürger der Europäischen Union sein.

Während sich die Parteien immer schwerer tun, geeignete Rathauskandidaten zu finden, wächst seit Jahren die Zahl der Juxbewerber und Selbstdarsteller.

Manche Dauerkandidaten haben sich die Lebensaufgabe gestellt, in nahezu jeder Gemeinde ihren Finger zu strecken, und reisen durchs Ländle mit keiner anderen Aussicht auf Erfolg als einem Eintrag ins "Guinness Buch der Rekorde". Mehr wollen viele der Bewerber auch nicht. Die Gaudi ist ihnen genug, das Publikum dankbar. Vergangene Woche stellten sich in Stuttgart die Kandidaten gemeinsam vor, von denen nur vier als ernsthafte Anwärter gelten.

Die Halle war gefüllt, mit jedem Redner stieg die Stimmung.

Wie Erstkläßler waren die Kandidaten hinter Manfred Rommel, der die Versammlung leitete, in die Halle getrottet und auf sein Zeichen dann nacheinander ans Mikrophon getreten. Da erst merkte mancher, wie lange fünf Minuten Redezeit sein können. "Vielleicht war es ein Fehler, daß ich kein Konzept mitgebracht habe", sagte einer, der noch über etwas Selbstkritik verfügte.

"Ich bitte nun Herrn Kögel, zu uns zu sprechen", bat Rommel irgendwann gequält, da waren im Publikum die Lachtränen vom Vorredner noch nicht trocken. Der hatte gerade versprochen, "Mautgebühren für die Innenstadt" einzuführen und das Amt so zu führen, "daß Sie es noch bedauern werden, wenn ich nach sechs Jahren wieder aufhöre".