Joe Malta sitzt am Küchentisch seiner Wohnung am Strand. In der Hand hält er das maßstabsgetreue Modell des Galgens, der vor nahezu einem halben Jahrhundert von Nazigefangenen gebaut wurde. Er hält den Galgen schräg und läßt den Strick hin- und herschwingen. "Es braucht nämlich seine Zeit, eine Schlinge zu machen", meint er.

"Die muß schon vorher fertig sein. Man muß den Knoten dreizehnmal knüpfen. Er darf nicht lose sein." Auch müsse man "den Menschen messen, den man exekutiert. Damit der Strick gerade so lang ist, daß man ihn hängen kann, ohne daß seine Beine den Boden berühren."

Joe Malta war oberster Henker der U.S. Army. Zwischen Oktober 1946 und Juni 1948 reiste er, damals achtundzwanzig, durch die amerikanische Besatzungszone und exekutierte Nazikriegsverbrecher in Heidelberg, Stuttgart, Mannheim und Nürnberg. Am 16. Oktober 1946 hängte er im Justizpalast in Nürnberg zehn sogenannte Hauptkriegsverbrecher.

Heute ist Malta siebenundachtzig Jahre alt, ein freundlicher Großvater, ein hingebungsvoller Ehemann mit leiser Stimme, dessen größter Luxus sein neuer Lincoln Continental ist.

Er stellt das Modell des Galgens zurück auf den Küchentisch, verschränkt die Arme vor der Brust. "Insgesamt waren es sechzig, die ich exekutiert habe", schätzt Malta. Genau weiß er es nicht mehr. Doch an die Hinrichtungen am 16. Oktober 1946 im Nürnberger Gefängnis erinnert er sich genau. "Selbst wenn ich wollte, könnte ich jene Nacht und meine Rolle dabei nicht vergessen", sagt er.

"Ich stülpte ihnen die schwarze Kapuze über den Kopf, zog ihnen die Schlingen, die ich gemacht hatte, fest um den Hals. Ich drückte den Hebel, der die Falltür des Galgens löste, in jener Nacht zehnmal.

Als sie tot waren, schnitt ich sie ab. Ich trennte die Schlinge um ihren Hals durch. Ich half, sie in Särge zu legen. Sie wurden kurz ausgestellt und photographiert, danach brachte man sie zur geheimen Kremation."