MOSKAU. - In Tschetschenien ist es seit fast einem Monat nicht mehr zu Kampfhandlungen gekommen. Das ist die Folge der Übereinkommen, die ich in Chasawjurt, Inguschien, gemeinsam mit dem Stabschef der tschetschenischen Truppen, Aslan Maschadow, unterzeichnet habe. Aber diese Abkommen bedeuten nicht, daß der bewaffnete Konflikt beendet ist.

Die Übereinkommen sehen die Unterzeichnung von zwei weiteren Dokumenten vor, die wir als Rahmen für unsere Beziehungen definiert haben: Eines beschäftigt sich mit Tschetscheniens künftigem Status und das andere mit der Teilung der Gewalten zwischen Rußland und Tschetschenien.

Der Status der Republik wurde bisher durch die russische Verfassung definiert, die besagt, daß Tschetschenien ein konstituierendes Mitglied der russischen Föderation ist. Die Chasawjurt-Abkommen bestimmen, daß der künftige Status Tschetscheniens bis zum Jahr 2001 bestimmt sein muß. Ich denke, dies war eine richtige Entscheidung.

Solche Entscheidungen dürfen nicht in der Hitze der Schlacht getroffen werden, sondern sie müssen ausgehen von internationalen Gewohnheiten, Gesetzen, Prozeduren und Regeln.

Das Leben in Tschetschenien wird während der nächsten fünf Jahre seinen Gang gehen: Der Prozeß des Wiederaufbaus wird beginnen und die Situation nüchtern bewertet werden. Viel wird davon abhängen, wie konstruktiv die russische Regierung mitarbeitet.

Die zweite Klausel der Übereinkommen von Chasawjurt wird noch ernsthafte Gespräche verlangen, aber im Augenblick ist unklar, mit wem sie geführt werden sollen. Rußland erkennt aus bekannten Gründen den separatistischen Führer, Selimchan Jandarbijew, nicht an, während die Opposition den offiziellen Führer der Republik, Doku Sawgajew, nicht akzeptiert. Es ist jetzt wichtig, eine Koalitionsregierung zu bilden, die die Vorbereitung für den Winter trifft - die Gas- und Wasserversorgung wieder aufzubauen, die zerstörten Dächer wieder zu reparieren. Gleichzeitig muß diese Regierung freie Wahlen vorbereiten.

Sollten diese Wahlen einen legitimen Führer hervorbringen, dann wird es möglich sein, mit ihm über jedes Thema zu reden. Viele Hitzköpfe meinen, die Bildung einer Koalitionsregierung und die Probleme, mit denen sie es zu tun hätte - vom Wiederaufbau der zerstörten Wirtschaft bis zur Bereitstellung von Pensionen und anderen Sozialleistungen -, seien eine einfache Aufgabe. Aber bei näherem Hinsehen sind gerade diese Dinge nicht leicht zu bewältigen.