ZEIT: Herr Conradi, früher wollten Sie mit 60 Jahren aus dem Berufsleben ausscheiden. Jetzt sind Sie 61. Ist die Zeit zum Rückzug gekommen, nachdem Sie den größten Handelskonzern Europas geschmiedet haben?

Conradi: Finden Sie nicht auch, es wäre falsch, jetzt "von Deck zu gehen"? Im übrigen möchte ich Sie in folgendem korrigieren: Ganz ursprünglich hatten wir, die junge Mannschaft, die damals um 1970 bei der Metro begann, das Angebot von Herrn Beisheim, unser Berufsleben mit 55 zu beenden. Einige von uns haben hiervon Gebrauch gemacht, andere nicht. Soweit ich beobachten kann, sind die, die davon Gebrauch gemacht haben, keinesfalls glücklicher als jene, die geblieben sind. Das war wohl eine Betrachtung in einer anderen Zeit, die wir heute rückblickend als falsch einstufen müssen. Aber Sie wollen eine konkrete Angabe?

ZEIT: Ja.

Conradi: Soviel kann ich selbstverständlich sagen: Mit Sicherheit habe ich die längere Zeit meiner Tätigkeit für die Metro-Gruppe hinter mir und nicht vor mir. Aber Scherz beseite, über mein Verbleiben entscheiden maßgeblich andere und nicht ich selbst allein.

Ich habe aber auch einmal gesagt, daß ich niemanden kenne, der jenseits seines 55. Lebensjahres noch besser geworden ist. Dabei bleibe ich. Nur bin ich damals falsch interpretiert worden. Ich habe nämlich nicht gesagt, daß ab dem 55. Lebensjahr jeder Manager in seiner Leistungsfähigkeit nachläßt. Man sollte gehen, bevor andere merken, daß man schlechter wird.

ZEIT: Metro ist nun der größte europäische Handelskonzern und weltweit die Nummer zwei. Sie sagen, die Metro sei kein Konglomerat.

Was ist sie dann, was haben Sie da gebaut?