Der grüne Terror hat Afghanistan nicht den versprochenen Frieden gebracht. Grün ist die heilige Farbe der Muslime. Grüne Terroristen werden in Kabul flüsternd die Taliban genannt, die gekommen sind, dem Land den "wahren" Islam zu bescheren. Andere halten die selbstgerechten Puristen für die einzigen Hoffnungsträger unter den verwahrlosten Mudschahidin-Banden, die sich bisher durchs Land geplündert haben.

Zum erstenmal, so sagen sie, kann man wieder im Dunkeln das Haus verlassen, ohne überfallen zu werden. Zum erstenmal seit vier Jahren liegt die afghanische Hauptstadt nicht unter Dauerbeschuß.

Die Märkte sind voll und die bisher astronomischen Preise gefallen.

So wird freilich nur unter Männern gesprochen. Frauen sind von den Taliban zum Nichts degradiert worden. Aus den Schulen haben sie sie verbannt, ihrem Beruf dürfen sie nicht mehr nachgehen.

Frisch operierte Frauen wurden aus den Krankenhäusern gejagt, weil männliche Ärzte sie nicht mehr anrühren dürfen. Wenn sie sich überhaupt auf die Straßen trauen, gehen sie eiligen Schritts und unter der burka verborgen, dem alles verhüllenden Tuch mit dem kleinen vergitterten Schlitz für die Augen.

Wieder erschüttert Geschützdonner die Trümmerstadt. Er begleitet die Gegenoffensive von Ahmed Schah Massud, der Kabul Hals über Kopf verlassen hatte. Jetzt stehen die Truppen des einst starken Mannes und Kriegshelden wieder vor der Stadt. Der trügerische Frieden von Kabul dauerte nicht einmal drei Wochen.

Mit Hilfe der gleichen Guerillataktik, die schon die Sowjets schließlich zum Abzug zwang, hat der "Löwe des Pandschir-Tals" von seiner Hochburg in ebenjenen unzugänglichen Schluchten den Siegeszug der Taliban gestoppt. Der Gegenschlag ist so wirkungsvoll, weil er durch ein Bündnis mit dem mächtigsten Mann Afghanistans unterstützt wird, dem Usbekengeneral Abdul Raschid Dostum. Der hat zwar seine Armee noch nicht in den Kampf geschickt, aber die Truppen stehen am Nordausgang des strategischen Salang-Tunnels bereit, und ihre Warnung ist eindeutig: bis hierher und nicht weiter.