Die Mulholland Falls auf den Hügeln über Los Angeles sind Wasserfälle aus Stein. Irgendwann einmal muß hier ein reißender Strom hinuntergestürzt sein. Jetzt ist dort Wüste. In der Nacht erwacht sie zum Leben, dank vier Männern in Hüten, den Mitgliedern einer Sondereinheit des Los Angeles Police Departments. Wenn sie einen Gangster aus der Stadt vertreiben wollen, nehmen sie ihn in ihre Mitte und plazieren ihn im Fond ihres Buick Cabrios. Dann fahren sie zu den Mulholland Falls hinauf und stoßen ihn in die Tiefe. Die Landung ist schmerzhaft, aber niemals tödlich, die Lektion eindrucksvoll.

Alle Glieder werden zerschmettert, der Körper ist ein Bündel Blut und Fleisch. Das brutale Treiben der vier erinnert an ein argloses Lausbubenstück. Als sie noch Kinder waren, muß die Wüste ein riesiges Meer gewesen sein.

Lee Tamahori verrät in der Eröffnungssequenz seiner ersten Hollywoodproduktion seine eigene Herkunft. "Once Were Warriors", sein Kinodebüt, war ein gewaltbessenes Melodram aus Neuseeland: Die Geschichte einer Maori-Familie, die ihre Liebe nur mit Fäusten und Tränen artikulieren konnte. Da die Gewalt aus den Herzen rührte, war sie zerstörerisch. In "Nach eigenen Regeln" hingegen dringen die Bilder des Grauens niemals in die Tiefe vor. Sie sind perfekt inszeniert, überraschend und roh, richten aber keinerlei Schaden an.

Der Film spielt in den staubigen Fünfzigern. Die Story ist einfach: Lieutenant Hoover (Nick Nolte) und seine Kollegen sind die Stars ihrer Polizeieinheit. Hoovers Frau Catherine (Melanie Griffith) ist schön und wartet auf ihn, immer zu Hause und nirgendwo anders.

Deshalb hat Hoover eine Geliebte: Allison (Jennifer Connelly).

Allison ist ein Geschöpf ihrer Zeit. Ihre Sonnenbrille hat scharfe Kanten, und unter ihrer Bluse sind, fest eingezwängt, zwei steile Hügel verborgen. Diese Bluse ist eine Herausforderung, nicht nur für Hoover. Auch General Timms, der Chef der Atomenergiebehörde, ist ihr verfallen. Sein Liebesspiel wird heimlich gefilmt. John Malkovich, viel zu gut für seinen Part, starrt dabei einfach ins Leere. Er erledigt die Szene wie eine rührende Pflichtübung, diskret und kurzsichtig. Dann ist Allison tot. Hoover ermittelt, und am Ende wird alles aufgeklärt: Allison hatte zuviel von den Atombombenversuchen ihres Generals mitbekommen der General wird von Gott bestraft und geht am Strahlenkrebs zugrunde Hoover läuft die Frau davon.

Abspann: Melanie Griffith, über einen weiten Friedhof davonschwebend, Nick Nolte, endgültig zum Grabstein erstarrt.