Erbost rief der italienische Ministerpräsident Romano Prodi seinen spanischen Kollegen José Maria Aznar an: "Darüber haben wir nie gesprochen." Gerade hatte der Italiener das Interview des spanischen Regierungschefs mit der Financial Times gelesen. Rote Ohren muß er bekommen haben. Tat Aznar doch kund, was er zu Prodi gesagt habe, als der ihm zwei Wochen zuvor angeblich eine gemeinsame Strategie auf dem letzten Wegstück zur Europäischen Währungsunion vorschlug: "Wir sind nicht daran interessiert, Hand in Hand mit Italien zu gehen." Spanien, fuhr der Ministerpräsident fort, müsse vom ersten Moment an teilhaben an der gemeinsamen Eurowährung.

Womit Aznar ausdrückte, daß er das Erreichen solch ehrgeizigen Zieles sich selbst sehr wohl, den Italienern nun aber gerade nicht zutraute.

Aznar bewies mit seinen Äußerungen nicht nur ein erstaunliches Maß an diplomatischer Taktlosigkeit und fehlender außenpolitischer Erfahrung, sondern auch ein ausgesprochen gesundes Selbstvertrauen.

Seit seinem Amtsantritt im Mai dieses Jahres beteuert der Chef der konservativen Volkspartei (PP) immer wieder, daß er das Steuer des Schiffes Spanien nach mehr als dreizehn Jahren González-Regierung kräftig herumreißen will. Kaum hatte er die ersten kleineren Fiskalrechtsänderungen durchgesetzt, tönte er: "Es gibt in der jüngeren spanischen Geschichte nichts Vergleichbares mit dem wirtschaftlichen Modernisierungsimpuls, den das Land in den vergangenen Wochen erhalten hat." Aznars Wirtschaftspolitik ist zwar in Wirklichkeit alles andere als originell, aber soweit sich das bis heute absehen läßt, erfolgreich.

Den Blick fest auf den Euro gerichtet, hat Finanzminister Rodrigo Rato - einer der starken Männer in Aznars Kabinett - vor zwei Wochen einen Sparhaushalt vorgelegt, der an Stärke nichts zu wünschen übrig läßt. Deutlich höhere Einnahmen bei gleichzeitig realen Ausgabenkürzungen sollen das Defizit Ende 1997 genau auf die höchstens erlaubten drei Prozent des Inlandsproduktes bringen - nach voraussichtlichen 4,4 Prozent in diesem Jahr und 5,8 Prozent im vergangenen. Die Banco de Espana war von dem Rechnungswerk so beeindruckt, daß sie ihren Leitzins ein paar Tage später um einen halben Punkt auf 6,75 Prozent senkte - den niedrigsten Wert seit 1977. Minister Rato wird es den Zentralbankern danken: Das Zinsgeschenk bedeutet eine weitere Entlastung beim Schuldendienst, der ein knappes Fünftel des Staatshaushaltes frißt.

Die Mittel, die Aznars Konservativen für das Erreichen der Drei-Prozent-Defizitmarke eingefallen sind, entstammen alle den altbekannten finanzpolitischen Werkzeugkästen: höhere Steuern und Abgaben, niedrigere staatliche Investitionen, geringere Gehälter im öffentlichen Dienst, Verkauf von Staatsfirmen.

Noch im Juli hatte Wirtschaftsstaatssekretär Cristóbal Montoro versprochen, daß in diesem und im nächsten Jahr keine einzige Steuer angerührt werden solle, die die Teuerungsrate beeinflussen könne. Schließlich muß Spanien auch seine immer noch viel zu hohe Inflation von zuletzt 3,6 Prozent im Blick behalten, um sich nicht den Zutritt zur gemeinsamen Währung zu versperren. Doch schon kurze Zeit später kündigte Finanzminister Rato die ersten Zuschläge an: Zum August erhöhte er Alkohol- und Tabaksteuern um kräftige 16 bis 25 Prozent. Im Land der Raucher bedeutet das sichere Mehreinnahmen für den Staat und Löcher im Portemonnaie des Durchschnittsspaniers.